«Meine Designerküche stammt von Bulthaup, die Blumenbouquets bestelle ich bei Marsano, und wenn ich eine Cocktailparty veranstalte, lasse ich Blini mit Kaviar, Kalbsinvoltini und Risotto mit geraspelten weissen Trüffeln servieren. Die Goldküste ist mehr als nur eine bevorzugte Wohnlage mit Blick über den Zürichsee. Hier leben privilegierte Menschen nach genauen Vorstellungen in ordentlichen Verhältnissen. Wir bleiben gerne unter uns. Das ergibt sich aufgrund der Häuserpreise und des nicht ganz billigen Lifestyles fast von selbst. Sozialfälle verirren sich selten hierher.
Mit Ausländern haben wir höchstens in Form von Hausangestellten zu tun. Aber frei von Problemen funktioniert dieses Leben auch nicht: Faules Personal, vermooste Pools, unfähige Handwerker nerven mich. Viel Geld erleichtert die Existenz zwar enorm, aber es verhindert nicht, dass die Kinder heimlich kiffen, sich Cellulite breit macht oder der Ehemann dem Aupair-Mädchen zu tief in den Ausschnitt blickt. Ansonsten herrscht Ordnung und Sicherheit: Die Anwesen sind gepflegt und von Mauern oder schönen Zäunen umgeben. Die Villen sind mit Alarmanlagen ausgestattet, und die Erben in spe werden allesamt in die gleichen Tagesschulen chauffiert.
Sogar die Autos sind schöner und stabiler als anderswo. Und haben tiefe Nummern. Damit wird signalisiert, dass bereits der Urgrossvater stolzer Besitzer eines Autos war und der Reichtum also nicht erst seit vorgestern in der Familie liegt. Heute sind die Poschtiwägeli der Hausfrauen die imposantesten Fahrzeuge der ganzen Goldküste.
Ich liebe meinen hochgelagerten Geländewagen, schwarz mit 4·4-Antrieb und einem riesigen Kühlergrill aus Chrom. Fast alle meine Freundinnen haben solche Cruiser. Sie behaupten, wegen der Sicherheit der Kinder. Ich sage: Wir Vollzeithausfrauen und Dauermütter fühlen uns in diesen riesigen Karossen so wichtig, wie wir sein möchten. Auf jeden Fall: In so einem Auto blickst du auf alle anderen Fahrer hinunter, und die Vorstellung, dass ich einen Mazda-Lenker glatt unter dem Chassis meines Range-Rovers zermalmen könnte, amüsiert mich und meine beste Freundin Mona sehr. Mit diesen Offroadern könnten wir die Camel-Trophy oder eine Reise durch das australische Outback bewältigen.
Die Rollenteilung
In Tat und Wahrheit geht es damit in die Tiefgarage bei Globus, um anschliessend ein neues Trois-Pommes-Kleidli für die nächste Party einzukaufen oder die Sitzungen beim Psychiater zu absolvieren. Alles, was der normalerweise zu sagen hat, ist: ‹Darüber sollten Sie reflektieren.› Oder: ‹Wie fühlen Sie sich dabei?› ‹Beschissen – du Idiot›, möchte Mona manchmal schreien. Aber das verbietet ihr die gute Erziehung. Neustens muss sie Tagebuch führen, damit sie die Gründe für ihre Alltagsfrustration besser analysieren kann.
Die amerikanische Fernsehserie ‹Desperate Housewives› sehen wir uns nicht an. Ich kenne niemanden aus meinem weiblichen Bekanntenkreis, der dies tut. Was ich über die Soap gelesen habe, zieht mich nicht vor den Fernseher. Was soll am privilegierten Alltag von gestressten Vollzeitmüttern und Dauerhausfrauen lustig sein? Ich bin selbst seit zwanzig Jahren dafür verantwortlich, dass Haus, Garten, Kinder und meine Wenigkeit gut gewartet daherkommen und wir das Bild einer intakten, wohlhabenden Familie abgeben. Ich bin 42 Jahre alt. Die Rollenteilung ist in den gehobenen Kreisen oft so klar, wie zu Doris Days Zeiten.
Goldküstenfrauen sind in der Regel nicht berufstätig. Die Töchter werden zwar mit allen Mitteln durchs Gymi gepaukt. Nachhilfestunden im Lernstudio sind weit verbreitet. Kann heute eine Drittklässlerin aus Herrliberg ihren Namen nicht richtig schreiben, hat sie zudem gute Chancen, als Hochbegabte erkannt und mit kostspieligen Massnahmen, zum Beispiel einem Frühkurs in Japanisch, gefördert zu werden.
Die Ehe
Eine halbwegs gute Schulbildung gehört einfach zum Prestige. Die Idee, dass Mädchen ihre Brötchen später einmal selber verdienen, wird damit allerdings nur selten verbunden. Ich bestand die Matur nach zweimaligem Sitzenbleiben und entschied mich für eine Studienrichtung, die möglichst wenig Arbeit verursacht: Ethnologie. Ich fand es zwei Semester lang lustig. Danach jobbte ich in einer Galerie, reiste ein wenig durch die Welt und arbeitete als Haarmodel. Die Goldküstenmänner sind ambitionierter, weil sie bis zum Nimmerleinstag für den standesgemässen Unterhalt der Familie zuständig sind.
Die Goldküstenkinder haben vielleicht kurze Aussetzer in der Pubertät und träumen von einem einfachen Leben in einer WG in der Toscana. Die Flausen vergehen glücklicherweise von allein, und fast alle treten wenig später in die bequemen Fussstapfen ihrer Eltern. Eine standesgemässe Verbindung war mir wichtig. Ich stamme selbst aus reichen Verhältnissen und bin – im Grossen und Ganzen – bis heute davon überzeugt, dass sich Paare aus demselben Milieu am besten ergänzen. Die Wertvorstellungen sind ähnlich, und es gibt keine Diskussionen, wenn man Geld mit vollen Händen zum Fenster hinauswirft.
Ehrlich gesagt, hatte ich auch überhaupt keine Lust auf eine kleinbürgerliche Existenz. Laminatböden? Gartensitzplatz? M-Budget-Produkte? Da läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Bei uns verfügt der Livingroom über die Grundfläche einer Vierzimmerwohnung, der Swimmingpool ist so gross wie ein Tennisplatz, und wenn ich will, kann ich mich nur von Sprüngli-Truffes ernähren.
Mein Mann heisst Mark. Wir haben zwei Kinder. Ein Junge. Ein Mädchen. Schade, gibt es beim Nachwuchs keine Rückgabegarantie. Kinder können schlimme Nervensägen sein. Genau wie ihre Väter. Die sind in der Regel viel beschäftigt, ehrgeizig und hocherfolgreich.
Manche neigen zu Pedanterie und autoritärem Auftreten. Stehen bei Mona die Kerzenleuchter am falschen Ort, war das Lammfilet drei Sekunden zu lang im Steamer, reagiert der Hausherr mit Missbilligung. Das ist schlimmer als Kritik. Er gibt ihr ohne Worte zu verstehen, dass sie in ihrem Job versagt hat. Ist sie mit ihrem tollen Leben unzufrieden, fragt er vor versammelter Cocktailrunde: ‹Was ist so schlimm daran, wenn man zwei goldene Kreditkarten und viel freie Zeit besitzt, um sinnlos Geld auszugeben?› Mona lief rot an und rächte sich am nächsten Tag mit dem Kauf eines Chanel-Kostüms. Kostenpunkt: 3500 Franken.
Bei mir ist es eher umgekehrt. Haushalt, Kinder, Aussehen: Ich will alles perfekt erledigen, kleinste Fehler machen mich rasend. Eine Schneckenplage im Garten oder eine schlechte Schulnote in Mathe – beides bereitet mir schlaflose Nächte. Mark sieht es locker, wenn er nach einem erfüllten Tag ausser Haus seine Kommentare abgibt: ‹Es sind doch nur Schnecken. Es sind doch bloss Kinder.› Er hat schon Recht. Das sollte eigentlich zu bewältigen sein. Vordergründig heucheln Mark und ich Verständnis und Solidarität füreinander. Hintenherum nehmen wir fast jede Gelegenheit wahr, um dem anderen eins auszuwischen. Dabei kennen wir keine Scham.
Die Verhaltensregeln
Was die Partnerschaft anbelangt, sind wir halb jungen Goldküstenfrauen ziemlich leidensfähig. Weniger Scheidungen und Trennungen als in Oberglatt oder Emmenbrücke sind das Resultat. Allenfalls in schlimmen Ehekrisen checken wir die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ab und liebäugeln mit der finanziellen Unabhängigkeit. Mit vernichtenden Resultaten. Für ein einziges Thierry-Mugler-Kostüm – so rechnete ich bereits vor Jahren aus – hätte ich zwei ganze Wochen lang arbeiten müssen. So schlecht ist meine Ehe dann doch wieder nicht, beschloss ich damals bei einem Glas Champagner im ‹Savoy›, kündigte den Job sofort und konzentrierte mich fortan auf das gute Gelingen meiner eigentlichen Aufgaben.
Wenn man die Wahl zwischen einem mühsamen 40-Stunden-Job, einer hässlichen Bleibe und einem grosszügigen Landhaus, Prada und Petermann hat, erscheint der goldene Käfig – den man zudem nicht selbst schrubben muss – in einem ganz anderen Licht. Wenn mein Mann nach Hause kommt, steht eine Spargelmousse mit gedämpften Flusskrebsen parat, und die Tischwäsche ist gebügelt. Die Kinder haben ihre Hausaufgaben gemacht und spielen in den Zimmern. Das Haus ist aufgeräumt und staubfrei. Zweimal pro Woche besuche ich mit meinem Mann Vernissagen oder andere gesellschaftliche Anlässe.
Es existieren tausend Codes und Verhaltensregeln, die es im gehobenen Milieu zu befolgen gilt. Grosszügigkeit und Qualitätsbewusstsein, Stilsicherheit und Selbstbewusstsein gehören zum Image, und zwar in allen Belangen. Grundsätzlich gilt: Wir haben einen einfachen Geschmack, wir sind stets mit dem Besten zufrieden. Ganz schlimm ist es, wenn der Gastgeber an einer Cocktailparty halbsüssen Freixenet anstelle von Dom Pérignon oder Louis Roederer serviert und bei den offerierten Zigarren knausert.
Der Sonn- und der Alltag
Es gibt viele kleine Missgeschicke, die für alle Beteiligten unangenehm sind. Im vergangenen Winter kreuzte eine Bekannte in gewöhnlichen Wanderschuhen am White Turf von St. Moritz auf. Peinlich, weil untrendy. Alle anderen Frauen spazierten in Chanel-Moonboots oder zumindest in den angesagten rosaroten UGGs-Lammfellstiefeln über das Eis. Normale Winterschuhe hätten für diese Art der sportlichen Ertüchtigung durchaus gereicht. Aber in solchen Dingen übertreiben wir gerne ein wenig, das ist unsere Art von Selbstdarstellung.
Ich selbst lege Wert auf diese und andere Insiderdetails. Ansonsten outet man sich entweder als Ignorantin oder desavouiert den eigenen Ehemann, weil der Eindruck entstehen könnte, man sei auf Sparkurs. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, sind – vorübergehend – verschiedene Vertuschungsmanöver möglich: Designerteile kann man auch secondhand kaufen, eine Sehnenscheidenentzündung verhindert die Fortführung der teuren Golfstunden, und die Autos werden fortan geleast. Sollten alle Stricke reissen und muss man sich aus der Goldküstengemeinschaft verabschieden, lautet der Standardsatz: ‹Wir ziehen weg, weil wir endlich ein grösseres Haus gefunden haben.›
Am Sonntagmorgen bin ich meinem Mann eine willige Geliebte. Manchmal fällt mir am frühen Montagmorgen die Decke auf den Kopf. Ich liege dann in der Badewanne, das fahle Licht dringt durch die handrollierten Leinenvorhänge und erhellt meine Parfümsammlung. Am liebsten möchte ich wieder ins Bett zurück. In solchen Momenten zwinge ich mich zu einem besonders hübschen Auftritt. Noch nie erschien ich ungekämmt oder im Nachthemd am Frühstückstisch. Ich würde dies als ästhetische Zumutung an meine Umwelt und auch als Zeichen von Schwäche empfinden. Ins gleiche Kapitel gehören die zahlreichen Besuche bei Coiffeur und bei der Kosmetikerin, für Maniküre und Massage sowie im Fitnessstudio. Toll aussehen ist wichtig. Es ergibt sich eine Art Eigendynamik unter den Frauen. Ab vierzig sollte man zudem von den Entwicklungen der Schönheitschirurgie profitieren. Botox, Fotorejuvenation, Lunchtime-Peel und Unterspritzungen sind in meiner Altersklasse hoch im Kurs und vertreiben uns erst noch die Zeit.
Alle Familienmitglieder haben ein strukturiertes, ausgefülltes und bisweilen hektisches Tagesprogramm. Ausser ich. Bis auf das Brummen des Rasenmähers ist es im Haus tagsüber totenstill. Bis auf Maria und Pedro, die seit dem Morgengrauen fleissig am Arbeiten sind, bleibt das Anwesen menschenleer. Bei mir sind nur die späten Nachmittagsstunden ausgebucht, dann sind meine Chauffeurdienste für die Kinder gefragt. Ballett, Geigenstunden, Schlagzeugunterricht, Fussball und Nachhilfestunden.
Andere Hausfrauen stehen am Morgen auf, weil sie waschen, bügeln, putzen, nähen und Pflanzen umtopfen müssen. Am Mittag müssen sie kochen, weil die Kinder nach Hause kommen. Klar, bündle ich hin und wieder die Zeitungen oder kaufe für die Verwandtschaft Geschenke ein. Diese Aktivitäten beschränken sich aber auf ein Minimum.
Die Pflichten
Nicht alle, aber die meisten Hausfrauen von der Goldküste lassen ihre Ideen in Haus und Garten durch Fachpersonal ausführen. Die Arbeiten werden unter unserer Aufsicht erledigt und kontrolliert. Die Ergebnisse – von der Gänseleberterrine über das polierte Silber bis hin zu den neu bepflanzten Terracottatöpfen – gehen auf das Leistungskonto der Vollzeithausfrauen. Aber die Leere und die Langeweile bleiben. Ich muss mich also selbst motivieren, und oft gelingt mir das auch ganz gut.
An solchen Tagen erfreue ich mich an den kleinen Dingen: wenn ich ein Tennismatch gewinne, die ersten Tulpen spriessen oder mir mein Sohn einen Witz erzählt. Fühle ich mich schlecht, lege ich mich in einen der schicken Deckchairs aus Teakholz auf die grosszügige Terrasse. Im Winter mit einer Wolldecke. So verdöse ich den Tag und blättere höchstens ein paar Interior-Zeitschriften und Modeheftli durch.
‹Die einzige Perspektive, die wir haben, ist der unverbaute Blick über den schönen Zürichsee›, spottete Mona kürzlich am Telefon. Kompensatorische Handlungen, wie der Psychiater sagt, sind keine Seltenheit. Meiner Meinung nach sind davon auch verzweifelte Vollzeitmütter in Schwamendingen betroffen: Von der Putzwut über die Shoppingsucht zu den verschiedensten Zwangshandlungen bis hin zum Verhältnis mit dem Gärtner oder dem Hausabwart liegt alles drin. Ein Liebhaber ist keine schlechte Idee, jedoch nicht unproblematisch: Woher nehmen? Wie verheimlichen? Wo treffen?
Bahnhofstrassen-Shopping, ein Wellnesswochenende im Grandhotel «Victoria Jungfrau» oder die Neumöblierung des Esszimmers sind in meinen Kreisen weniger kompliziert und sorgen ebenfalls für gute Laune und Wohlbefinden. Bei akuter Frustration leiste ich mir zudem öfter eine Schachtel Truffes du Jour, was jüngst eine Gewichtszunahme von drei Kilogramm zur Folge hatte.
In vielen anderen Villen geht es vermutlich ähnlich zu und her: Offiziell sind wir bis über beide Ohren mit anspruchsvollen Verpflichtungen eingedeckt. In Wirklichkeit sind wir froh, wenn ein Termin bei der Pediküre oder die generalstabsmässige Planung eines Kindergeburtstags ansteht. Die sind der Supergau im Leben jeder Goldküstenmutter und heute so wichtig und fast so kostspielig wie die grossen Abendeinladungen der Erwachsenen.
Ein professioneller Zauberer gehört dabei zu den bescheideneren Unterhaltungsattraktionen. Die elfjährige Freundin meiner Tochter durfte ihre besten Kollegen über das Weekend nach St. Moritz einladen – inklusive Skipass, Privat-Snowboardlehrer und Übernachtung im Fünf-Sterne-Hotel. Finden die Einladungen zu Hause statt, werden die besten Caterings vor Ort mobilisiert, und die Geburtstagstorten bestellen wir bei Sprüngli oder Schober.
Wer selbst bastelt und bäckt, gerät schnell in den Verruf, ein Hausmütterchen zu sein. Eine Bekannte von mir liess das ganze Wohnzimmer durch professionelle Dekorateure in ein Barbie-Haus umstylen. Alle Kinder wurden barbiemässig verkleidet, und als Geschenk erhielt jedes Mädchen eine Puppe aus der neusten Serie mit verschiedenen Kleidersets dazu. Die Hälfte der Girls beschwerte sich anschliessend bei ihren Müttern, weil sie die Seejungfrau-Barbie längst hatten.
Man muss sich etwas einfallen lassen, will man mit den übrigen Frauen mithalten. Natürlich gibt es Rivalitäten. Das Interesse am Nachwuchs beschränkt sich ansonsten auf die richtige Zahnstellung und die passende Kleidung. Bei den Kinderpartys geht es auch nicht primär um die Kids, sondern um den persönlichen Ehrgeiz und um die Möglichkeit einer Bestätigung von aussen. Die Mütter stellen ihr Organisationstalent, die finanziellen Möglichkeiten und eine gewisse Kreativität vor grossem Publikum unter Beweis.
Die Zukunft
Der Vorwurf, man wolle aufschneiden, entfällt, da es sich offiziell ‹nur› um einen Kinderanlass handelt. Ein Glück, dass es von Zollikon bis Meilen tonnenweise Kinder gibt. Es kursieren zwei Theorien, warum wohlhabende Familien mehr Nachwuchs in die Welt setzen als andere. Erstens: Es wird so lange geprobt, bis der traditionelle Stammhalter da ist. Zweitens: Viele Kinder sind die beste Versicherung, denn auch im Fall einer Scheidung muss die Frau garantiert nie mehr arbeiten gehen. Ich will kein drittes Kind, und grundsätzlich sage ich mir: Wer ist schon völlig glücklich? Der Leidensdruck war noch nie so gross, dass ich etwas hätte unternehmen müssen.
Zukunftspläne? Ich glaube nicht, dass ich jemals als Entwicklungshelferin nach Afrika gehen werde. Ansonsten bin ich offen für alles. Jetzt reisen wir erst einmal für ein verlängertes Wochenende ins Tessin. Dort haben wir nämlich auch ein schönes Haus mit Pool und Sicht über den Lago Maggiore.»
*Namen der Redaktion bekannt.
Die 42-jährige Katharina Wille-Gut wuchs in einer Zürcher Nobelgemeinde auf. Sie heiratete vor zwanzig Jahren standesgemäss und lebt seither an der Zürcher Goldküste. Über die Gepflogenheiten in diesen Kreisen und das anstrengende Leben von Vollzeitmüttern und Dauerhausfrauen schrieb Wille-Gut einen Roman.
Der vorliegende Bericht ist das Resultat eines ausführlichen schriftlichen Verkehrs zwischen Katharina Wille-Gut und Franziska K. Müller. Die Autorin will unter allen Umständen anonym bleiben: «Alles andere wäre mein gesellschaftlicher Untergang», sagt sie.
Katharina Wille-Gut: Leben an der Goldküste.
Aus dem Tagebuch einer Privilegierten. Zytglogge.
190 S., Fr. 29.–
Die Fernsehserie «Desperate Housewives»
auf SF 2 macht bis zum 26. September Sommerpause.
06.07.2005, Ausgabe 27/05
Desperate Hausfrauen
Einzige Perspektive: Seeblick
Die Fernsehserie macht Pause, das Leben nie: Desperate Housewives frieren auch an der Zürcher Goldküste. Hier erzählt die Vollzeitmutter Katharina Wille-Gut* aus ihrem Leben mit den drei K: Kreditkarte, Kindergeburtstage, Koitus am Sonntag.

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