Namen V

Mirwais Najrabi

Von Ernst Kindhauser

Mirwais Najrabi - Er war fünf, als sein Vater, ein begnadeter Sänger, ermordet wurde. Später, als die Taliban kamen, verbrannte er seine Gitarre. Jetzt ist er 13, trägt schneeweisse Klamotten, Goldkettchen und die Haare wie ein Kinder-Beatle. Wenn er mit glockenheller Stimme von den Tragödien seiner Heimat, von Liebe, Verrat und Helden tremoliert, verzückt er die Menschen Kabuls. Seine Poster hängen überall in den Teestuben der afghanischen Hauptstadt, seit das Musikverbot der Gotteskrieger gefallen ist, sind seine Kassetten und DVDs begehrter als die der Bollywood-Stars. 1500 Franken verlangt er pro Auftritt, viel Geld am kriegsversehrten Hindukusch, und doch avancierte Mirwais zum Star unter den Kinder-Croonern, einer alten afghanischen Tradition, die vor allem in den Hochzeitsmonaten vor Ramadan auflebt. Ein glückliches Kind? Nicht ganz. Der Stimmbruch naht, und da sind die Bodyguards, die ihn rund um die Uhr bewachen. Afghanistans Warlords, dank Drogenhandel hablich geworden, machen Jagd auf junge hübsche Knaben. Halten sie als Statussymbole. Missbrauchen sie als Sexsklaven. Um so verständlicher Mirwais’ Traum: «In Europa leben und berühmt werden.»

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