«Geben Sie gern Interviews?» – «Es kommt drauf an. Wenn’s meinen Geist selber anregt, schon.» – «Haha.» – «Aber wenn’s die immer gleichen Fragen, so Standardsachen... Das ist dann schon ein Runterspulen von Antworten.» – «Ich stell die Frage, weil Sie jemand sein sollen, der kontrollieren will. Aber dieses Gespräch bekam ich, ohne dass jemand wissen wollte, worüber ich reden will.» – «Die Anfrage kam nicht bis zu mir.» (Wir sind im Europa-Park in Rust in einer Halle, wo eine Sendung fürs Fernsehen mit ihm aufgezeichnet wird. Die Verabredung ging eine Pressefrau ein für ihn.) «Aber ein Interview ist ja nichts Schlimmes.» (Vor zwei Jahren, nebenbei, bekam ich eine Absage von seinem Manager.)
Man neigt ja dazu, ihn in Einzelheiten zu untersuchen und zu beanstanden – seine dünnen Haare, deren Zahl sich verringert, sein spitzes Gesicht, das an den Kopf eines Vogels erinnert (vermutlich trägt er gegen diese Wirkung das Bärtchen auf der Oberlippe und zum Kinn hinuntergezogen, schmal ausrasiert), seine Kleidung in Hellbraun und Beige. Aber irgendwie ist das engherzig. Er besitzt auf seinem Gebiet grosses Können, ist nett, und seine Sätze sind eigentlich gescheit. «‹Ich muss den sogenannten Feuilletonkritikern nichts beweisen›, haben Sie mal gesagt.» – «Das ist noch immer so.» – «Ich muss für Sie doch ein sogenannter Feuilletonkritiker sein.» – «Ja, klar. Wobei, ich bin nicht negativ gegen die eingestellt. Mich interessiert das nicht gross. Ich mach gern was mit der Weltwoche oder mit, öh – was haben wir letzthin gemacht? –, ah, mit der Financial Times, das macht Spass.» (So gewandt Namedroppen kann sonst nur Michel Comte, ein Zürcher Fotograf in Hollywood.)
Lieder über einen Öltanker
«‹Pirates of Dance› – Wie sind Sie darauf gekommen?» – «Also eigentlich ist es simpel: Ich hab eine Längsform gewollt, eine Bühne, die lang ist.» – «Und da hat sich ein Schiff angeboten?» – «Genau. Und dann ist natürlich das Piratenschiff, sprich Geisterpiratenschiff, ganz nahe. Man kann keinen Öltanker nehmen, das hat nicht die gleiche visuelle Kraft, haha.» (Vermutlich durch Üben erlernt, diesen Witz, aber nicht schlecht.) «Du kannst auch kein Lied schreiben über einen Öltanker.» – «Und über die ‹Exxon Valdez›...» – «Haha.» (Unüblich, dass bekannte Menschen über Witze eines sie befragenden Menschen lachen – weil bekannte Menschen nicht offen sind für Rückmeldungen.) «Ist es ein Thema für Sie, den Namen zu wechseln?» – «Nä-äh, nicht mehr. Das ist sicher rückblickend eine Fehlentscheidung, ein solcher Künstlername.» – «Man sollte nach vorne blicken. Namen kann man ändern, aus Raider wurde Twix.» – «Aber aus Prince ist mal Symbol geworden und dann The Artist Formerly Known as Prince, und das ist nicht unbedingt ein Bringer gewesen.» («Ein Bringer» – Sprache der Zielgruppe? Ich mein, er ist 37.) «Jetzt ist er The Artist Formerly Known.» – «Nein, jetzt ist er wieder Prince.» (Das ist es, was ich mein: Bekannte Menschen nehmen eben doch keine Kenntnis von Rückmeldungen. Oder hat er meinen Witz nur nicht auffassen können? Ist er doch nicht so gut, wie ich meinte? Vielleicht doch mehr Jürg Marquard als Harald Schmidt?)
«Hat Popmusik irgendeinen Auftrag?» – «Hro, hro.» (Genau so ist’s auf dem Band.) «Es kommt auf den Act draufan. Also unseren Auftrag seh ich klar als Entertainment. Und das auf höchstem Niveau.» – «Also nur ein Unterhaltungsauftrag, nicht irgendwie noch Lebensweisheit oder so?» – «Jäh, die kommt automatisch mit.» – «Ah ja?» – «Sobald man sich identifiziert mit der Musik einer Figur, wechselt man dann auch zur Figur. Ich kann mich noch an meine Jugend erinnern, wie ich dannzumal Culture Club gehört hab, und auf dem Kassetten-Hülleli ist Status Quo gestanden. Weil ich hätt nicht zugeben können, dass ich Culture Club gut find.» (Professionell, eine witzige Begebenheit erzählen – und die Frage nach der Lebensweisheit vergessen.) «Wer macht die beste Popmusik?» – «Ah, da hat’s grossartige Leute. Savage Garden.» – «Wie viele Punkte auf einer Skala von eins bis zehn?» – «Ja... sieben. Ich bin schon noch kritisch.» – «Klar. Und für DJ Bobo?» – «Eine Neun. Ich glaube, das ist so ziemlich das Ultimative, was man an Show machen kann.»
«Wie lange werden Sie noch tanzen auf der Bühne?» – «Ähm, ich kann das nicht in Jahre fassen.» – «Aber so gefühlt.» – «Gefühlt? Also es wird sich immer der Zeit anpassen, was ich mache. Und meinem körperlichen Zustand. Und meinem geistigen.»
DJ Bobos Lieblingsrestaurants:
«Ich hab gar keine.» – «Doch, von irgendwelchen Reisen, Touren, Städte-Wochenenden...» – «Also ich hab’s am liebsten, wenn ich nicht rausmuss. Aber was gar nicht geht, ist Hotel-Essen.»













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