Herr Tingler, warum stehen Schwule auf Polizeiuniformen und Holzfällerhemden?
Philipp Tingler: Sachen wie Polizeiuniformen und Holzfällerhemden sind für manche Menschen attraktiv, weil sie Symbole von Männlichkeit sind (es sei denn, sie werden von den Village People getragen). Es gibt auch Frauen, die auf Holzfällerhemden stehen. Diese Frauen nennt man Lesben.
Frau Eschmann, warum meinen Heteros, Lesben über 35 an grau durchzogenen Kurzhaarfrisuren erkennen zu können?
Karin Eschmann: Ein Klischee.
Gibt es eine genügend grosse Auswahl auf Ihrem Beziehungsmarkt?
Tingler: Es gibt nie genügend Auswahl.
Eschmann: Ja, würde ich schon sagen.
Warum spazieren Lesben bzw. Schwule so selten Hand in Hand?
Tingler: Zum einen ist Hand-in-Hand ein bisschen aus der Mode; zum anderen ist Hand-in-Hand für Homos in der Schweiz zwar zum Glück nicht gefährlich, aber immer noch aufsehenerregend – und daher wohl für viele anstrengend.
Eschmann: Fällt mir nicht auf. Ich gehe mit meiner Freundin meistens Hand in Hand.
Würden Sie heiraten, wenn Sie dürften?
Tingler: Jedenfalls will ich können dürfen.
Eschmann: Ich denke schon, dass ich mich mal eintragen lassen werde.
Welche Lesbensprüche beleidigen Sie am meisten?
Eschmann: Du hattest einfach noch nie guten Sex mit einem Mann!
Gibt es eine Schwulenhymne?
Tingler: Es gibt viel zu viele. «Can’t Get You Out Of My Head» von Kylie Minogue ist die einzige, die gut ist.
Gibt es eine Lesbenhymne?
Eschmann: Nicht dass ich wüsste.
Stimmt es, dass in homosexuellen Beziehungen eine Person tendenziell den Mann und die andere die Frau repräsentiert?
Tingler: Das stimmt für jede Beziehung, die längerfristig Bestand hat. Es gibt auch genug heterosexuelle Beziehungen, in denen der Mann die Frau ist.
Eschmann: Nein, es sind ja schliesslich zwei Frauen. Auf jeden Fall in meiner Beziehung ist das so.
Woran erkennen Sie einen Homosexuellen?
Tingler: Manchmal durch Blicke. Manchmal durch die Art, sich zu bewegen. Manchmal steht es den Leuten ins Gesicht geschrieben. Und manchmal sind sie gar nicht zu erkennen. Entgleisungen in der Garderobe, lächerliche Frisuren und gezupfte Augenbrauen sind jedenfalls heutzutage keine Indikatoren mehr. Wir leben im Zeitalter der Metrosexualität und damit der allgemeinen äusserlichen Verschwulung von Teilen der Männerwelt.
Eschmann: Gegenfrage: Woran erkennt man eine Heterosexuelle?
Warum haben viele Schwule einen ausnehmend guten Geschmack?
Tingler: Guter Geschmack ist nicht häufig und hat mit der sexuellen Präferenz rein gar nichts zu tun. Homos achten mehr auf ihr Aussehen. So entsteht leicht der Fehlschluss, sie hätten einen guten Geschmack.
Gilt es als cool, wenn schöne Heteros auf einen stehen?
Tingler: In welcher Welt wäre das nicht cool?
Eschmann: Nein, nicht unbedingt.
Müssen Sie oft Frauen abwimmeln?
Tingler: Ja. Ich muss mir ständig sexversessene Frauen vom Leib halten.
Wie reagieren Sie, wenn Sie von einem Hetero angemacht werden?
Eschmann: Wenn er es originell anstellt, finde ich das herzig.
Tingler: Ich finde das süss.
Warum finden Hetero-Männer knutschende Frauen so aufregend?
Eschmann: Ich selber kann diese Männer schon verstehen, es ist wirklich scharf, besser gesagt etwas sehr Sinnliches und Aufregendes.
Wie wichtig ist die Körbchengrösse?
Eschmann: Gar nicht.
Wie wichtig ist die Penisgrösse?
Tingler: Generell gilt: Sie werden, unabhängig von deren sexueller Orientierung, relativ wenig Männer finden, die mikroskopisch kleine, streichholzdünne, bumerangkrumme Penisse per se erstrebenswert finden. Übrigens auch relativ wenig Frauen.
Wie schlafen Lesben bzw. Schwule miteinander?
Tingler: Es ist genau wie bei heterosexuellen Menschen: Schlimmstenfalls läuft Céline Dion im Hintergrund. Bestenfalls wird kein Wort gesprochen (bis auf kurze Anweisungen).
Eschmann: Das ist von Paar zu Paar verschieden, denke ich. Was da passiert, kann ich Ihnen leider nicht in einem Satz beantworten.
Warum ist Sex mit Frauen besser als mit Männern?
Eschmann: Weil man den eigenen Körper besser kennt und viel besser auf sein Gegenüber eingehen kann – es ist auch sinnlicher und intensiver!
Stimmt es, dass Lesben kaum und Schwule viele One-Night-Stands haben?
Tingler: Die Einstellung zu One-Night-Stands hängt nicht von der sexuellen Präferenz ab, sondern vom Testosteronspiegel. Zudem haben Homos einfach mehr institutionelle Möglichkeiten zur Trennung von Sex und Zuneigung.
Eschmann: Ich weiss nicht, ob’s da eine Statistik gibt – ist mir auch relativ egal. Ist doch jedem seine Sache.
Wie macht ein Schwuler einen Schwulen an?
Tingler: 1. Angucken. 2. Ansprechen. 3. Anfassen (die Reihenfolge ist beliebig). Die Erfolgsquote hängt ganz wesentlich vom Aussehen ab.
Wie macht eine Lesbe eine Lesbe an?
Eschmann: In den meisten Fällen wird sie angesprochen. Das ist kein grosser Unterschied zwischen Homo- und Heterosexuellen.
Schwule sind...?
Eschmann: ...gute und schlechte Menschen, wie Heterosexuelle auch.
Lesben sind...?
Tingler: ...grossartig! Ich bin so was von prolesbisch!
Wären Sie eine gute Mutter, ein guter Vater?
Tingler: Wenn die Kinder im Internat und nur zu Feiertagen zu Hause wären: ja.
Eschmann: Ich war noch nie Mutter, darum kann ich die Frage auch schlecht beantworten.
Werden Sie diskriminiert wegen Ihrer Homosexualität?
Tingler: Nee, ich verdiene damit Geld. Die faszinierende Welt der Homos ist Thema meiner Bücher.
Eschmann: Nein.
Haare unter den Achseln sind...?
Eschmann: Eklig.
Haare auf den Zehen sind...?
Tingler: Total o. k., sofern sie zum Typ passen.
Warum reden und bewegen sich manche Schwule wie Karikaturen von Frauen?
Tingler: Ich weiss es nicht. Fragen Sie Michael von der Heide.
Warum ist Cher eine Schwulenikone und Michael Jackson nicht?
Tingler: Weil Cher im Gegensatz zu Michael Jackson als Frau geboren wurde. Und weil Cher ungefähr 15 Jahre jünger aussieht als Michael Jackson, obwohl sie mehr als 10 Jahre älter ist. Und weil Michael Jackson selbst sexuell zu ambivalent wirkt.
Die drei schönsten Frauen/Männer der Welt sind?
Eschmann: Skin, Meg Ryan, Romy Schneider.
Tingler: Heterosexuell! Ich finde, dass zum Beispiel der Ringer Joe Williams, der Fussballer Freddie Ljungberg und Robbie Williams gut aussehen. Aber das finden viele.
Warum wissen Heteros viel mehr über Schwule als über Lesben?
Tingler: Wie dieser Fragebogen zeigt, scheint das nicht der Fall zu sein.
Eschmann: Weil sie mehr in der Öffentlichkeit stehen; Dani Fohrler, Sven Epiney, Patrick Rohr, Erich Vock usw.
Wie viel Überwindung würde es Sie kosten, mit einer Frau zu schlafen?
Tingler: Wahrscheinlich viel. Aber es würde mich auch viel Überwindung kosten, mit manchen Männern zu schlafen.
Gibt es viele Homosexuelle, die nie mit einem Hetero geschlafen haben?
Tingler: Wahrscheinlich gibt es immer mehr Homos, die nie mit einer Frau geschlafen haben. Das liegt daran, dass das Coming-out heutzutage leichter ist. Diese Mit-Frauen-oder-Männern-Schlafen-Einteilung ist total siebziger Jahre und heute obsolet.
Eschmann: Keine Ahnung.
Sind Schwule männlicher als Heteros?
Tingler: Es gibt schwule Muskelberge ohne einen Tropfen Testosteron. Männlichkeit hat etwas Selbstverständliches. Das haben nur die wenigsten Homos.
Gibt es Momente, in denen Sie damit hadern, homosexuell zu sein?
Eschmann: Nein, ich bin von Anfang an offen zu meiner Freundin gestanden und hab diesen Schritt noch nie bereut.
Tingler: Nein, ich habe sogar diesen Fragebogen gern ausgefüllt.
Warum wirken Lesben oft humorlos?
Eschmann: Ist das so? Da kennen Sie aber nicht die gleichen Lesben wie ich.
Karin Eschmann, 30, ist die erste Miss Gay der Schweiz. Sie lebt in Wädenswil, arbeitet in einem Reisebüro und gibt Fitnessstunden. Die Schweizer Illustrierte bezeichnet sie als «schön, intelligent, sexy». Ihre Amtszeit dauert noch bis Mitte Oktober.
Philipp Tingler, 35, ist Buchautor. Er wurde in Westberlin geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften sowie Philosophie. Er erhielt ein Hochbegabten-Stipendium und arbeitet unter anderem als Fotomodell. Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnet ihn als «masslos albern und ichbezogen», das Satiremagazin Titanic meint zu seinem Autorenfoto, «so glotzen nur Vollidioten».
Soeben ist sein neustes Buch erschienen:
Juwelen des Schicksals. Kein & Aber. 300 S., Fr. 36.–
Die eidgenössische Abstimmung über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare findet am 5. Juni statt.













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