Wie schlimm steht es um unsere Regierung? Ist es noch normal, dass ein Bundesrat (Couchepin) dem andern (Blocher) vorhält, die Demokratie zu gefährden, und in dessen Partei totalitäre Tendenzen ortet? Oder verlieren im Umgang mit Blocher immer mehr – auch scheinbar souveräne Leute wie Pascal Couchepin – die Nerven? In dieser Ausgabe nimmt der meistbesichtigte Bundesrat dieser Tage erstmals Stellung. Wie Urs Paul Engeler und Markus Somm beim Interview feststellen konnten, meint es Christoph Blocher ernst, wenn er sagt, er freue sich über Couchepins Kritik. Er will tatsächlich erreichen, dass der Bundesrat sein Verhältnis zum Souverän überdenkt. Wie immer hat Blocher die EU im Auge. Wer sich über ein ungezügeltes Volk enerviere, wolle es doch bloss darauf vorbereiten, dass es bei einem Beitritt zur EU weniger zu sagen habe. Das Regierungsmitglied, das bekannt dafür ist, wenig zu schlafen, empfing die Weltwoche- Journalisten zu rekordverdächtiger Stunde: Um fünf Uhr morgens fand das Gespräch statt – und ist damit wohl das früheste Interview der schweizerischen Pressegeschichte.
Genf ist für den Deutschschweizer eine verwirrende Stadt: so international, dass sie scheinbar weit weg von der Schweiz liegt, und doch ein Ort, mit dem sich selbst die arroganten Zürcher mit scheuer Bewunderung messen – wo liegt die wahre Hauptstadt? 20 Milliardäre lagern am Genfersee, gleichzeitig leisten sich die Genfer einen kommunistischen Bürgermeister. Wie passt das zusammen? Wir haben den angesehenen Journalisten Stéphane Bussard von Le Temps gebeten, uns das Rätsel Genf zu erklären.
Das Thema der in dieser Woche stattfindenden Frankfurter Buchmesse lautet zwar «Arabien», aber das am heftigsten wahrgenommene Buch stammt von einem Deutschen: Es handelt sich um «Tabu II», die Aufzeichnungen des 75-jährigen Dichters und Schabernacks Peter Rühmkorf. Rühmkorf ist ein sparsamer Schreiber. Seine Produktion ist klein, aber überzeugend. Noch sparsamer ist Rühmkorf freilich, wenn es um Kontakte mit der Presse geht. Diese verweigert er inzwischen fast vollumfänglich. Dass Rühmkorf für die Weltwoche eine Ausnahme machte, verdanken wir unserem Mann im Tessin. Jazz-Kolumnist und Literaturkritiker Peter Rüedi teilt mit Rühmkorf so viele Erinnerungen und Leidenschaften, dass sich der Dichter Rüedis Gesprächsanfrage nicht entziehen konnte.
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