«Frau, ich verstehe dich nicht.» Mit diesen Worten möchte ich meine heutige TV-Kolumne beginnen. Es sind die gleichen Worte, die ich fassungslos vor mich hin murmelte, nachdem ich mir die Sendungen «Beauty Queen», «Alles ist möglich», «The Swan – Endlich schön!» und «Sex and the City» am Stück angesehen hatte. In den vergangenen Stunden war ich Zeuge geworden, wie sich Frauen von Schönheitschirurgen (echten in «Alles ist möglich» und «The Swan», fiktiven in «Beauty Queen») Nasen, Busen und Körperteile, die mir bis anhin gänzlich unbekannt gewesen waren, verkleinern, vergrössern oder absaugen lassen hatten. Sätze waren gefallen wie «Ich will die Lidfalten von Angelina Jolie» oder «Ich möchte ein absolut symmetrisches Lächeln». Als sich eine Frau (in «Sex and the City») von einer Freundin Schuhe für 485 Dollar zur Hochzeit (die im Übrigen eine reine Erfindung war) wünschte, hielt es mich definitiv nicht mehr in meinem Fernsehsessel. «Warum gelüstet es dich bloss nach so teuren Schuhen?», brach es aus mir heraus. «Willst du damit uns Männern gefallen? Ach! Es gibt doch ganz andere Mittel und Wege, mit denen du uns Freude machen kannst!»
«Sex and the City» läuft bei uns ja schon seit drei Jahren, trotzdem habe ich mir nie eine Folge angeschaut. Ich will einfach nicht so unsympathische Wörter hören, wie sie in dieser Serie offenbar am Laufmeter vorkommen. Den Auftakt zur letzten Staffel habe ich mir nun dennoch angesehen. Wie vermutet wimmelte es von Unappetitlichkeiten. Ein Thema war das «Teebeuteln», was von einer gewissen Samantha mit «die Eier von einem Kerl im Mund haben» definiert wurde.
An dieser Stelle wurde mir bewusst, wie dankbar ich dafür bin, dass ich eine Mutter habe, die nie solche Wörter verwendet hat. Es sollte nur noch Frauen wie meine Mutter im Fernsehen geben. Ihr Lächeln mag vielleicht nicht absolut symmetrisch sein, wenn sie die schweren Einkaufstaschen aus dem Coop nach Hause schleppt, und wenn sie am Herd steht oder meine Kleider wäscht, wölben sich ihre Lider möglicherweise nicht genau wie jene von Angelina Jolie. Aber was zählt denn letztlich? Dass jemand ein gutes Herz hat. Und kein Schönheitschirurg und keine TV-Sendung dieser Welt kann einem ein solches, äh, geben.
Beauty Queen. RTL, dienstags 20.15 Uhr
Alles ist möglich. RTL, dienstags 21.15 Uhr
The Swan – Endlich schön! Pro Sieben, ab 26. Oktober dienstags 20.15 Uhr
Sex and the City (letzte Staffel). Pro Sieben, dienstags 21.15 Uhr













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