Intern

Editorial

Von Simon Heusser

Unser National-Demoskop Claude Longchamp kam am vergangenen Wahlsonntag kurz vom Tugendpfad der politischen Korrektheit ab: Je höher der Anteil der Ex-Jugoslawen an der Bevölkerung sei, so Longchamp, desto höher sei das Nein zu den Einbürgerungsvorlagen ausgefallen. Eine zweifelhafte Interpretation: Zürich (56% Nein) hat mit 6% einen höheren Anteil an Einwanderern aus dem Balkan als Appenzell Innerrhoden mit 5,1%, wo schweizweit die meisten Neinstimmen zu verzeichnen waren (76%). Gravierender ist eine andere Fehleinschätzung: Die Einbürgerungsvorlagen scheiterten nicht wegen der Ex-Jugoslawen im Allgemeinen, sondern weil die Stimmbürger ein Exempel statuierten, das einer ganz bestimmten Problemgruppe gelten sollte (und leider auch alle anderen Einwanderer der zweiten und dritten Generation traf): den jungen Kosovo-Albanern, von denen nicht wenige einem Männlichkeits- und Abgrenzungskult frönen, der ihnen seit Jahren die ersten Ränge in den Disziplinen Rasen, Kriminalität und Erschleichen von Sozialleistungen sichert (die allesamt nicht zu den zukunftsfähigen Branchen gezählt werden dürfen). Das wuchtige Votum an der Urne hat vollends klar gemacht, dass es eine der dringlichsten Aufgaben der Schweiz ist, die Kosovo-Albaner zu integrieren. Fragt sich bloss, wie. Siehe Artikel zum Thema «Kommentar: Ein dünnerer Sozialstaat nimmt Schweizern die Fremdenangst» und «Rückblick: Kosovo-Albaner Amir B. prägte die Einbürgerungsvorlagen stark»

Die umkämpftesten Fronten der multikulturellen Gesellschaft verlaufen durch die Klassenzimmer und Pausenplätze. Wenig erstaunlich daher, dass jene Familien, die es sich leisten können, aus den Quartieren mit hohem Ausländeranteil wegziehen. Es ist eines der bestgehüteten öffentlichen Geheimnisse, dass in der Schweiz schleichend das stattfindet, was die Soziologen «soziale Entmischung» nennen – eine Entwicklung also, deren Endstation «Gettoisierung» heisst. Gehört die Zukunft den Privatschulen? In den wohlhabenden Bezirken des Kantons Zürich jedenfalls besuchen schon heute bis zu 15% der Kinder private Ganztagsschulen. Michael Krobath und Theres Lüthi sind der Frage nachgegangen, ob die Volksschulen mittelfristig überhaupt noch eine Chance haben, nicht zu Sammelbecken für Unterprivilegierte zu verkommen. Siehe Artikel zum Thema «Bildung: Wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder in die Privatschulen»

Nicht nur die Schullandschaft wird durch die Ausländerproblematik umgepflügt. Auch der Sozialstaat wird sich zwangsläufig verschlanken – Multikulturalität schwächt die Umverteilungs-Solidarität. Fazit: Vor allem die Kosovo-Albaner wirken als Treiber der Amerikanisierung unseres Landes. Noch gibt es keine Anzeichen dafür, dass die reformscheuen Teile von SP und SVP, die im Nationalrat durchsetzten, dass auch in Zukunft Erdbeerpflücker und Kellner vom Balkan in die Schweiz kommen werden, den beträchtlichen ironischen Gehalt dieser wundersamen Dialektik zu würdigen wissen.

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