Wer mit raunender Stimme Verschwörungstheorien spinnt, hat heutzutage gute Chancen, für intelligent gehalten zu werden (Michael Moore, Schutzheiliger aller vermeintlichen Durchblicker, lässt grüssen). Weshalb diese Wertschätzung des Konfusen? Der französische Soziologe Raymond Boudon argumentiert, das rationale Weltbild des Liberalismus gelte bis heute bei vielen als Ausdruck von «falschem Bewusstsein». Mit Nietzsche und Freud wittern wir laut Boudon hinter allen Phänomenen zwanghaft etwas «Anderes» – und übersehen dabei die Möglichkeit, dass die Dinge zuweilen tatsächlich so sind, wie sie erscheinen. Mit anderen Worten: dass es Fakten gibt.
Wie eine Ausgeburt von Verschwörungstheoretikern wirkt auch unsere Titelgeschichte über die Propaganda-Walze Bundesrat. Leider ist sie es nicht, wie ein der Weltwoche vorliegendes Papier deutlich belegt: Die PR-Strategen versuchen, das Volk auf die Linie des Bundesrates zu bringen. Die entscheidende Frage, ob eine wuchtige Einmischung des Bundesrates in Abstimmungskämpfe überhaupt legitim ist, scheint sich in Bern niemand zu stellen.
Zum Cover der Titelgeschichte: Der schottische Illustrator Bernie Reid sprühte die Konterfeis unserer Regierenden an die bröckelnde Mauer einer alten Whisky-Fabrik an der Seafield Road in Edinburgh. Was wohl in den Köpfen der Quartierbewohner vorgeht, wenn sie die sieben mit den exotischen Namen künftig von der vertrauten Hauswand lächeln sehen? Die Frage sprengt das Vorstellungsvermögen. Sollte aber dereinst eine schottische Rockband mit Namen «The Blochers» oder «The Calmy-Reys» die Charts stürmen, werden Weltwoche-Leser – und nur sie! – das Phänomen erklären können, ohne mit Verschwörungstheorien zu operieren.
Ein Nachtrag: Vor lauter neuen Kolumnisten (von Ammann, René bis Seibt, Constantin) gingen im letzten Editorial zwei nicht minder prominente interne Autorinnen vergessen, die künftig ebenfalls eine eigene Kolumne haben werden: Beatrice Schlag und Marianne Fehr beschreiben in «Heimatkunde» abwechselnd Innenansichten eines Landes, dessen bizarrste Eigenschaft es ist, sich für völlig normal zu halten.
Reichweitendaten, wie sie die Wemf unlängst publizierte, haben seltsame Schicksale: Schlechte Zahlen werden gelegentlich auf wundersame Weise zu Triumphmeldungen umgebogen. Deshalb in aller gebotenen Nüchternheit die Resultate der Weltwoche: Sie hat, gegen einen markanten Branchentrend, um 1,2 Prozent an Reichweite zugelegt. Wir danken unseren neu 439000 Leserinnen und Lesern herzlich für ihr Vertrauen.













Kommentare