Intern

Editorial

Im krassen Widerspruch zur finsteren Thematik dieses Heftes stehen die «good news» der Weltwoche. Wir können mehrere namhafte Neuzugänge vermelden.

Von Simon Heusser

Richard Herzinger, langjähriger Autor der Zeit, wechselt als Deutschland-Korrespondent und politischer Essayist auf den 1. Oktober zur Weltwoche. Er hat sich nicht nur als scharfsinniger Kommentator des Tagesgeschehens einen Namen gemacht, sondern auch als Autor vielbeachteter Bücher («Endzeit-Propheten oder Die Offensive der Antiwestler», «Die Tyrannei des Gemeinsinns», «Republik ohne Mitte» u.a.).

Daniel Ammann, zurzeit Wirtschaftschef von Facts, übernimmt Anfang 2005 das Wirtschaftsressort der Weltwoche. Ammann, der bereits von 2001 bis 2003 im Wirtschaftsressort der Weltwoche arbeitete, ist einer der profiliertesten Enthüllungsjournalisten des Landes.

Neu als Kolumnisten begrüssen wir den Star-Schreiber der linken Wochenzeitung (WoZ), Constantin Seibt. Seinen ersten «politischen Schundroman» lesen Sie auf Seite 23.
Die einst von Roger Schawinski bestrittene Rubrik «Mailbox» hat wieder einen prominenten Verfasser: Peter Rothenbühler, scharfzüngiger Chefredaktor von Le Matin. Er zeichnete als Chefredaktor der Schweizer Illustrierten, die er in den neunziger Jahren konsequent zum «People-Blatt» umbaute, verantwortlich für einen der grössten Erfolge der Schweizer Mediengeschichte.

Eine Koryphäe auf seinem Gebiet ist auch der deutsche Politologe Herfried Münkler. Seine Werke («Die neuen Kriege» u.a.) prägen die Debatten um den Irak, die Strategie des Westens gegenüber gescheiterten Staaten und den internationalen Terrorismus. Münkler widmet sich in seiner Kolumne «Krieg und Frieden» jenen Themen, von denen das vermeintliche Friedensreich Europa irrtümlich glaubt, es müsse sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen.

Den unblutigeren, aber nicht weniger verbissen ausgetragenen Krieg zwischen den Geschlechtern beschreibt Güzin Kar in ihrer Kolumne «Gender Studies». Kar, die bekannte Regisseurin und Filmautorin («Lieber Brad», «Mehr als nur Sex» u.a.), erhielt am diesjährigen Filmfestival von Locarno den bedeutendsten Drehbuchpreis des Landes. Seite 69

Die Blattstruktur der Weltwoche wurde sanft renoviert: Die drei Teile des Heftes (aktuelle Reports, grosse Geschichten, Kulturteil) werden nun durch deutliche Zäsuren voneinander abgetrennt. Die Rubriken-Blöcke «Kolumnen», «Kritik» und «Konsum» erleichtern die Orientierung rund um die grossen Geschichten im Heft.

Neu findet sich die Rubrik «Kopf der Woche» von Christian Kämmerling (Seite 11) im aktuellen Teil. Peter Hartmanns «Im Auge», skurriles Gegenstück zum prominenten «Kopf der Woche», lesen Sie künftig auf der Namen-Seite (Seite 31). Kurt W. Zimmermanns Medienkolumne rückt nach vorne und bildet fortan den Abschluss des aktuellen Teils. Gefolgt wird sie von einer Seite, die künftig wohl zu den meistgelesenen gehören dürfte: Auf ihr liefern sich Christoph Mörgeli «Konkret» und Constantin Seibt «Der politische Schundroman» wöchentlich das Duell der Kolumnisten. Die Gefahr, dass hier rinks und lechts verwechselt werden, ist wohl eher klein.

Eine grosse Anhängerschaft hat auch Peter Bodenmann mit seinen «Bildlegenden» (seine gesammelten Kolumnen sind als Buch erschienen: «Bildlegenden», erhältlich im Pendo-Verlag). Sie finden sie auf Seite 29, zusammen mit Peter Rothenbühlers «Mailbox». Die Rubrik «Direktübertragung», die irritierende O-Töne aufzeichnet, steht neu neben der bewährten Sport-Kolumne von Michael Krobath. Eine kleine Änderung gibt es auch auf der Leserbrief-Seite: Das Privatarchiv wird ersetzt durch die Knigge-Rubrik «Darf man das?». Leser fragen, Weltwoche-Autoren oder Prominente antworten. Heute sinniert Michèle Roten über eine Frage, die Hunderttausende beschäftigen dürfte, aber die laut zu stellen sich keiner wagt: «Darf man H&M tragen, wenn man stilmässig etwas auf sich hält?» Von Miroslav Barták illustriert.

Den Auftakt zum Kulturteil bildet fortan eine Kurzgeschichte. Die erste Serie stammt von Michael Köhlmeier («Nachts um eins am Telefon»). Köhlmeier ist Autor zahlreicher Romane (u.a. «Die Musterschüler», «Telemach», «Kalypso»), Erzählungen und Theaterstücke. Er wurde vielfach preisgekrönt, zuletzt mit dem Grimmelshausen-Preis. Das zweite neue Gefäss im Kulturteil heisst «Für immer». Besprochen werden Klassiker aller Genres, die im aufgeregten Tagesgeschäft aus dem Blickfeld zu geraten drohen. Heute: Maxim Biller über John Cassavetes. Illustriert vom Schotten Bryan Evans.

Den Abschluss des Heftes bildet fortan ein kompaktes «Konsum»-Paket. Neben den bisherigen Kolumnen (Mark van Huisselings «Kaufzwang» und Ulf Poschardts «Auto», neu fotografiert vom Basler Duo Walter & Spehr) erscheint neu eine Gastro-Kolumne («Zu Tisch», Autor: Christian Seiler. Illustration: Markus Roost) und eine Wander-Kolumne («Zu Fuss», Autor: Thomas Widmer. Bilder von Raffael Waldner). Der Auftakt des «Konsum»-Teils ist eine Fotografie eines stilvoll gekleideten Menschen. Heute: Hanna Fox, 26, aus London.

Den Heftabschluss bildet künftig die Rubrik «Die Welt in Zahlen». Autor René Ammann arbeitet regelmässig für das deutsche Wirtschaftsmagazin brand eins, daneben u.a. auch für Geo und Die Zeit. Bei Econ ist von ihm «Ammanns wunderbare Welt in Zahlen» erschienen.
Wir freuen uns über die zahlreichen Verstärkungen, die in diesem Heft ihre Premiere als Weltwoche-Mitarbeiter erleben. Das darf die Tatsache allerdings nicht in den Schatten stellen, dass die Redaktion in dieser Woche ein aussergewöhnliches Heft produziert hat. Nach der abscheulichen Geiselnahme von Schulkindern in Ossetien muss das Thema, welches das vorliegende Heft verklammert, nicht näher erläutert werden.
Unser Autoren-Team nimmt das schreckliche Ereignis zum Anlass, über das Böse nachzudenken. Ludwig Hasler fragt nach der Aktualität des Teufels. Seine These: Seit er während der europäischen Aufklärung auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet ist, hat er uns erst recht im Griff.

Nicht erst seit Ronald Reagans berühmtem Diktum erscheint Russland dem Westen als «Reich des Bösen». Urteil oder Vorurteil? Christoph Neidhart versucht eine Antwort. Urs Gehriger schliesslich stellt die Frage, ob es sich beim Kampf gegen den internationalen Terrorismus um einen Krieg handelt, der gewonnen werden kann.

Eines der «Gesichter des Bösen», jenes von Bruno Ganz, der im Kinofilm «Der Untergang» Hitler spielt, war letzte Woche aus der Nähe zu studieren. Auf die Frage unseres Redaktors Thors- ten Stecher, wo man ihn zum Interview treffen könne, meinte Ganz spontan: «Ich komme zu Ihnen in die Redaktion.» Der Schweizer Weltstar scheut den öffentlichen Raum. Als er bei uns eintraf, ahnte man, warum. Die Damen vom Empfang meldeten in den fünften Stock: «Mein Gott, oh Gott, Bruno Ganz ist hier bei uns – er strahlt über das ganze Gesicht.» Ein klarer Fall von Projektion. Ganz’ erster Satz zum Fotografen: «Ich hasse das.» Die Damen strahlten noch immer.

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