Die mythische Macht der Ratte, Angst und Ekel zu erregen, sitzt so tief im Menschen wie die Angst vor Schlangen. Angesichts ihrer Intelligenz, Gerissenheit und Affinität zu Menschen ist es fast schon erstaunlich, dass keine Ratte, sondern eine Schlange Eva im Garten Eden in Versuchung führte und den Sündenfall des Menschen bewirkte. Doch je mehr man über Ratten erfährt, desto klarer wird einem, dass man dem wahren Wesen der Ratte im Kontext eines idyllischen Gartens nie gerecht würde. Im Gegensatz zu Schlangen brauchen Ratten Menschen, und zwar je mehr, desto besser. Ihre wahre Berufung dürften sie erst vor ein paar Jahrtausenden gefunden haben, als feste menschliche Siedlungen entstanden. Mit einem Mal gab es Getreidekammern, die sie plündern, Aussengebäude, in denen sie nisten, und Nahrungsreste, mit denen sie ihr Menü ergänzen konnten. Es war nur eine Frage der Zeit bis zur Apotheose des natürlichen Lebensraums der Ratte, der Stadt: Sie bot das ganze Jahr hindurch Nahrung, Wasser, Wärme und Schutz. In jeder Stadt leben Ratten in Saus und Braus hinter der Wandverkleidung, oft nur wenige Meter von den ahnungslosen menschlichen Gastgebern in ihren Luxuswohnungen entfernt. Der Ekel, den Menschen empfinden, wenn sie auf Anzeichen dafür stossen, dass sie ihren Wohnraum mit Ratten teilen, ähnelt jenem, den sie spüren, wenn bei ihnen eingebrochen worden ist, dem Widerwillen ob der Beschmutzung und des Eindringens übler Fremder.
Hameln und die Folgen
Auf dem Kaminsims in meiner Küche befindet sich ein schönes Exemplar der gemeinen braunen Wanderratte, Rattus norvegicus. Ich fand sie, als ein alter mit Öl beheizter Boiler entfernt wurde. Vor Jahren war sie darunter vertrocknet, mumifiziert in der Pose eines hüpfenden Buckligen mit langen gelben Schneidezähnen. Wie sie da auf einen Fuss gestützt gegen die weisse Wand lehnt, erinnert sie mich an Murnaus Vampirfilm «Nosferatu»: eine geduckte, unheimliche Gestalt, die im Licht des Mondes auf den Zehenspitzen dahinschleicht. Das ist der Inbegriff des Bilds der Ratte: ein in Städten sein Unwesen treibendes Etwas, auf enervierende Art verstohlen und unverfroren zugleich und immer zum Zubeissen bereit.
Es gibt auf der Welt über achtzig verschiedene Arten von Ratten, doch die meisten Menschen verstehen unter «Ratte» eine der beiden kommensalen (was wörtlich netterweise «am selben Tisch essend» heisst) Arten, als da sind die schwarze Hausratte, Rattus rattus, und die braune Wanderratte, Rattus norvegicus. Als Erste kam die schwarze Spezies nach Europa, vermutlich aus Indien. Sie ist ein bisschen kleiner als die braune, hat aber einen etwas längeren Schwanz und kann besser klettern. Es müssen Horden von Rattus rattus gewesen sein, die 1284 Hameln so heimsuchten, dass der Bürgermeister in seiner Verzweiflung einem bunt gekleideten Fremden tausend Gulden dafür anbot, dass er die Stadt von ihnen befreie. Der Sage nach lockte der Fremde durch sein betörendes Flötenspiel die Ratten in die Weser und, als der Bürgermeister sich zu zahlen weigerte, 130 Kinder der Stadt in eine Höhle unter dem Hügel, wo sie für immer verschwanden. Eine typische Rattengeschichte: voll Verrat und Vergeltung. Rattus rattus war auch Überträger der Beulenpest, die im folgenden Jahrhundert fast die Hälfte der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Heute weiss jedes Schulkind, dass nicht die Ratten selbst am Schwarzen Tod schuld waren, sondern die Flöhe, die auf ihnen lebten. Jahrhundertelang wusste man nichts von diesen Zusammenhängen, doch auch so hatte die Ratte einen üblen Ruf als Ungeziefer, das in Nahrungsvorräten wie Getreide oder Mehl enorme Schäden anrichten konnte.
Die Wanderratte, Rattus norvegicus, stammte wahrscheinlich aus dem Nordosten von China und kam erst Mitte des 16. Jahrhunderts über die Seidenstrasse nach Europa. Doch dann begann sie die Hausratte zu verdrängen, die generell ein wärmeres Klima vorzieht. Rattus norvegicus hat nichts mit Norwegen zu tun; der Name geht auf ein Missverständnis zurück. Dennoch eignet dieser Rattenart insofern etwas Wikingerhaftes, als sie gern auf hoher See ist und sich so rasch in allen europäischen Schiffen und Häfen ausbreitete. So überquerte sie Anfang des 18. Jahrhunderts den Ärmelkanal und um 1775 den Atlantik, worauf sie sich in Nordamerika ausbreitete. Heute ist praktisch die ganze Welt die Domäne der Wanderratte.
Ratten und Hausmäuse gelten als die am weitesten verbreiteten Landsäugetiere. Beide sind Nagetiere. Die Rodentia bilden die grösste Säugetiergruppe, zur selben Ordnung gehören Hamster, Meerschweinchen, Biber, Eichhörnchen, Wühlmäuse und um die 1500 andere Arten (aber nicht Kaninchen und Hasen, die zu den Lagomorphen, den Hasenartigen, gehören). Alle Nagetiere haben im Ober- und im Unterkiefer je ein Paar Schneidezähne, die während der ganzen Lebenszeit des Tiers wachsen. Sie haben dicke Schmelzschichten auf der Vorder-, aber nicht auf der Hinterseite, so dass die Zähne durch die Abnutzung immer ihre Meisselform bewahren. Die Nagefähigkeit von Ratten ist erstaunlich. Sie bewältigen Schiefer, Schlackenstein, Aluminiumblech, ja sogar Beton, und machen kurzen Prozess mit Leitungsrohren aus Blei, wenn sie Wasser wollen. So hart ihre Zähne sind, so gummiartig ist ihr Körper. Ratten können sich durch 12 Millimeter dünne Ritzen quetschen, eine reife Leistung für ein Tier, das (ohne Schwanz gemessen) bis 22 cm lang und bis zu einem Pfund schwer werden kann.
Die Ratte in der Politik
Allein schon diese Charakteristiken machen es schwierig, ein Gebäude gegen Ratten zu schützen, doch Wanderratten haben noch jede Menge weiterer Talente: So können sie sich einen Meter tief in die Erde graben und überleben Stürze von bis zu 15 Metern ohne grössere Verletzungen. Sie können Rohre und Backsteinwände hochklettern, einen Meter hoch und 90 Zentimeter weit springen und in offenem Wasser einen Kilometer weit schwimmen.
Diese gymnastischen Fähigkeiten erklären eine der verbreitetsten urbanen Schauergeschichten: die von der Ratte, die aus der Kloschüssel gesprungen kommt oder, wenn man den WC-Deckel hebt, einem vom Grund der Schüssel triefend nass und Halt suchend entgegenstiert. Zweifellos kommen auf jeden erwiesenen solchen Fall hundert Geschichten, die alle von der menschlichen Angst herrühren, in diesem höchst verletzbaren Bereich angegriffen zu werden. Freuds berühmter Rattenmann, ein Patient, der von der Vorstellung besessen war, eine Ratte könnte seinen Mastdarm angreifen und in ihn eindringen, ist ein schönes Beispiel dafür. Sehen die einen darin die Angst vor einer homosexuellen Vergewaltigung symbolisiert, ist es für die meisten einfach nur eine besonders eklige Vorstellung; die Schweizer Rechte wiederum wird es wohl als Bild für das schleichende Vordringen des Sozialismus empfinden.
Ratten sind tatsächlich Allesfresser, allerdings steht frischer Menschenmastdarm weit unten auf der Liste ihrer Lieblingsleckerbissen. Sie bevorzugen stärkehaltige und eiweissreiche Nahrung, insbesondere Erdnussbutter (die oft in Fallen als Köder verwendet wird), können sich aber bestens ernähren von Unkraut, Seife, Regenwürmern, Schuhen, Früchten oder dem Isolationsmaterial von Strom- und Telefonkabeln. Stossen sie auf etwas, das ihnen schmeckt, ist ihr Appetit gewaltig, und sie vermögen in 24 Stunden ein Drittel ihres Körpergewichts in sich hineinzuschlingen. Sie vermehren sich das ganze Jahr hindurch, wobei das Weibchen bis fünfmal im Jahr wirft, pro Wurf durchschnittlich acht Junge, die nach drei Wochen entwöhnt sind. Die Geschlechtsreife erreichen sie mit drei Monaten, und sie werden bis drei Jahre alt.
Beneidenswerte Fähigkeiten
Was die Sinne der Ratte betrifft, so sei daran erinnert, dass die Wanderratte im Wesentlichen ein Nachttier ist und ihrer Tätigkeit in völliger Dunkelheit nachgehen können muss. Zu ihren ohnehin schon erstaunlichen Überlebensfähigkeiten kommt ein sechster Sinn hinzu, also einer mehr, als wir haben. Das ist der kinästhetische Sinn, eine Art «Muskelgedächtnis», das ihr ermöglicht, sich an eine Folge von Manövern zu erinnern wie etwa die Bewältigung eines Labyrinths im Dunkeln. Sogar wenn der Experimentator die Wände des Labyrinths entfernt, folgt die Ratte fehlerlos dem verschlungenen Parcours, als seien sie noch da. In Grossbritannien bezeichnet man dieser Fähigkeit wegen den Schleichweg moderner Pendler als rat run, weil er ihnen so vertraut ist, dass sie ihn montags morgens praktisch mit geschlossenen Augen fahren können.
Das Gehör der Ratte ist sehr scharf und kann Richtungen genau genug wahrnehmen, um als gute Navigationshilfe zu dienen. Ratten können auch Töne über 55 kHz hören und erzeugen (wir hören nur Höhen bis 20 kHz); manche dieser Töne können Biologen ungefähr entziffern, der Zweck der anderen ist bisher unbekannt. Auch ihr Geruchssinn ist beeindruckend: Ein Männchen kann ein läufiges Weibchen über einen Kilometer weit riechen. Ihre Schnurrhaare («Vibrissae») sind höchst berührungsempfindlich ebenso wie das lange Deckhaar ihres Körpers, was ihnen ermöglicht, ihren Weg in völliger Dunkelheit zu ertasten. Im Gegensatz zu menschlichen Pendlern spielen bei Ratten Tast- und Geruchssinn eine wichtige Rolle auf Wegen, die sie bereits erkundet und sich eingeprägt haben. In der Regel bewegen sie sich unten einer Wand entlang, weil sie wie alle Nagetiere am liebsten eine feste Oberfläche auf der Seite haben, damit mindestens eine Flanke gedeckt ist. Mag sein, dass die Ratte deswegen keine Farben sieht, weil sie sensorisch dermassen gut ausgestattet ist, dass sie das gar nicht nötig hat. Nahe Liegendes kann sie nicht scharf sehen, dagegen nimmt sie im Abstand von 15 Metern die kleinste Bewegung wahr. Wanderratten haben einen sehr ausgezeichneten Geschmackssinn und können in der Nahrung noch ein halbes Millionstel einer Ingredienz feststellen. Das ist eine lebenswichtige Funktion, denn des spezifischen Baus ihrer Mägen wegen können Ratten nicht erbrechen und so nichts, was sie geschluckt haben, zu ihrem Schutz wieder ausspucken. Die daraus resultierende Vorsicht gegenüber fremder Nahrung und ein hervorragendes Gedächtnis für Stoffe, die Unwohlsein verursacht haben, machen das Vergiften von Ratten immer schwieriger. Nicht nur merken sie sich fragwürdige Nahrungsmittel, sondern sie werden auch resistent gegen herkömmliche Gifte wie Warfarin, und ganze Populationen können rasch gegen einen bestimmten Köder immun werden. Schädlingsbekämpfer wissen, dass sie ihrer gewitzten Beute immer einen Schritt voraus sein müssen, und halten nach immer neuen Mitteln Ausschau, um Ratten ins Verderben zu locken. Man spricht mittlerweile davon, Ratten-Pheromone zu synthetisieren, um die Tiere anzulocken, aber die meisten städtischen Schädlingsbekämpfer benutzen nach wie vor altmodische Fallen wie Käfige mit Ködern und Gift. Ist ein Frachtschiff heftig befallen und befürchten die Hafenbehörden eine Pest, wird das Schiff abgedichtet und mit Blausäure vergast. Dieses tödliche Gas funktioniert in der Regel bestens, allerdings hat es – um eine blöde modische Phrase zu verwenden – «Kollateralschäden» gegeben, indem menschliche blinde Passagiere mit vergast wurden.
Mensch, Ratte
Ratten sind zweifellos destruktiv und richten an Nahrungsvorräten und Gebäuden jährlich weltweit Schäden für Milliarden von Franken an. Ebenso sicher ist, dass sie gefährliche Krankheitsüberträger sein können. Wir hatten bereits angedeutet, dass ihre verschiedenen Flöhe (insbesondere Xenopsylla cheopis) die Mikroben von drei Pestarten übertragen können. Ausserdem können Ratten auch Typhus, Salmonellen, Hepatitis, Fadenwürmer und die Weil-Krankheit übertragen – genau wie wir Menschen. Womit wir bei einem heiklen Thema angelangt wären: wie viel wir miteinander gemein haben. Es hat sich herausgestellt, dass sie und wir uns vor achtzig Millionen Jahren von einem gemeinsamen Vorfahren abgespalten haben und nach wie vor fast dieselbe Anzahl Gene haben; Letzteres wurde erst dieses Jahr enthüllt, als die draft sequence des Rattengenoms publiziert wurde. Aber auch unsere Verhaltensmuster greifen bestens ineinander. So und so viele unserer Aktivitäten kommen Ratten ebenso zugute wie uns. So sind insbesondere unsere Städte, die eigens auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten wurden, ein Geschenk Gottes für die Ratten. Ironischerweise dürfte die als grundlegende Gesundheitsmassnahme entwickelte unterirdische Kanalisation der entscheidende Schritt dafür gewesen sein, dass Rattus norvegicus hier heimisch werden und sich prächtig vermehren konnte.
Seit Jahrtausenden leben wir mit den Ratten auf engstem Raum zusammen, sie sind zu anhänglichen Hausgeistern, beinahe zu einer Art Freunden geworden. Es muss immer wieder einzelne wild lebende Ratten gegeben haben, die sich zahmer als die meisten zeigten, und oft müssen Kinder mit Rattenjungen gespielt haben. Sie sind intelligente Kerlchen, die, sofern es ihr Umfeld erlaubt, sich gern sauber halten. Rattenhalter gehen sogar so weit, sie als zärtlich zu bezeichnen, aber das dürfte nicht mehr als das anthropomorphisierende Wunschdenken aller Haustierbesitzer sein. Es heisst auch, man könne Ratten dazu abrichten, dass sie kommen, wenn man sie ruft.
Es konnte daher nicht ausbleiben, dass man Ratten domestizieren und mit ihnen Zuchtwahl betreiben würde so wie zuvor mit Hunden und Katzen. Wahrscheinlich begann dieser Prozess Anfang des 19. Jahrhunderts, und er produzierte drei Hauptkategorien von Ratten: Ratten, die für sportliche Zwecke gezüchtet wurden; für die wissenschaftliche Verwendung in Laboratorien; und als Haustiere. Rattenkämpfe waren zumindest in Grossbritannien und den USA ein typischer Unterschichtssport der viktorianischen Ära, der in oft hinter Schänken hastig zusammengezimmerten Arenen stattfand. Dabei trat ein speziell abgerichteter Hund – meist ein Terrier – gegen eine Anzahl Ratten an, und die Frage war, wie lange er brauchte, um sie alle umzubringen. Es wurde um viel Geld gewettet wie heute bei den Hahnenkämpfen in Mexiko und auf den Philippinen. Der klassische Rattenkampfplatz war ein knapp drei Meter mal drei Meter messendes Holzgeviert. Es war anderthalb Meter tief und mit Zink ausgekleidet, so dass die Ratten nicht entwischen konnten. Hundert Ratten wurden in Säcken gebracht und in das Geviert gekippt, dann warf man den Terrier mitten hinein. Der Hund verschwand oft unter den Ratten, die ihm ihre Zähne in den Kopf, die Ohren und den Hals schlugen, und zuweilen musste er gerettet werden. Meist aber vermochte der Terrier sie abzuschütteln und nahm sein Tötungsinstinkt überhand. In der Regel dauerte das Blutbad eine halbe Stunde, aber ein tüchtiger Hund machte hundert Ratten in nur zwölf Minuten den Garaus. Man muss sich das vorstellen: die gerammelt volle, von Öllampen erleuchtete Baracke, den Gestank von Bier und Tabak, das trunkene Gejohle, das blutverschmierte, von Kadavern bedeckte Geviert, der blutige Schaum vor dem Maul des Hundes, das die Hände wechselnde Geld. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr solch blutige Sportarten verboten. Ratten- wie Hunde- und Hahnenkämpfe sowie Bärenhetzen fanden nur noch im Verborgenen oder gar nicht mehr statt. Man kann sich kaum vorstellen, dass heute noch Rattenkämpfe veranstaltet werden; Anfang der sechzigerJahre, als ich an der Oxford University studierte, wurde allerdings gemunkelt, es gebe einen geheimen Klub pseudoaristokratischer Studenten und Tunichtgute, die Terrier hielten für Rattenkämpfe auf einem Bauernhof einige Meilen ausserhalb der Stadt.
Auf ganz andere Weise wurde Rattus norvegicus ab Mitte des 19. Jahrhunderts geplagt, indem es als wissenschaftliches Untersuchungstier zum Dienst an der Menschheit gezwungen wurde. Wilde Albinoratten wurden durch Zuchtwahl gezähmt und waren bald einmal das Lieblingsspielzeug von Psychologen zum Testen von Intelligenz und Erinnerungsvermögen. Einer der grossen Vorzüge der Ratte ist die Schnelligkeit ihrer Vermehrung. Da sie pro Jahr vier bis fünf Generationen hervorbringt, lassen sich die langfristigen genetischen Auswirkungen bestimmter Nahrungsmittel oder Chemikalien rasch erkennen. Umoperiert, mit Drogen voll gepumpt oder stocknüchtern, suchten Ratten bald ihren Weg durch Labyrinthe und lernten, Hebel zu drücken, um einen elektrischen Schlag zu vermeiden oder einen Leckerbissen zu verdienen. Wie viele menschliche Gefangene jener Zeit verbrachten auch sie lange Stunden in Tretmühlen, endlos sich abstrampelnd, ohne vom Fleck zu kommen, den Blick stur nach vorn gerichtet, offensichtliche Vorläufer der heutigen Mittelschichtsangehörigen auf ihren Hometrainern und Rudermaschinen.
Operiert, vergast, seziert
Im Zug der Entwicklung der Wissenschaft wurden neue Rattentypen gezüchtet, in der Regel Varianten der klassischen Albino-Laborratte. Sie wurden für spezifische Verwendungen in allerlei Zweigen der Naturwissenschaften und der Medizin, inklusive Gen-, Ernährungs-, Verhaltens- und Krankheitsforschung, geschaffen. Die kürzlich erfolgte Sequenzierung des Rattengenoms hat bestätigt, dass es für fast alle menschlichen Gene, die mit Krankheiten zu tun haben, ein Pendant bei den Ratten gibt. Wahrscheinlich das erste vollkommen genormte Labortier war die Wistar-Ratte, die Anfang des 20. Jahrhunderts an der University of Pennsylvania gezüchtet wurde. Heute ist das Züchten und Liefern von Ratten zu wissenschaftlichen Zwecken ein grosses Geschäft, und es sind schon über hundert verschiedene Typen geschaffen worden, meist Varianten der Wistar-Ratte. Bei den transgenen Ratten wurde ein Gen hinzugefügt, bei den so genannten knockouts eines entfernt, um Unterschiede zu schaffen hinsichtlich Wachstumsgeschwindigkeit, Temperament, Alterung oder Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten. Zwar ist die moderne Genmanipulationstechnik eine hoch komplexe Angelegenheit, doch hat man viele Grundprinzipien hoch spezialisierter Züchtung bereits vor achtzig Jahren begriffen. Schon in den zwanziger Jahren hatte sich gezeigt, dass man Mäusetypen züchten konnte, die zu Tumoren neigten oder eben nicht. Weniger bekannt ist, dass 1939 der SS-Führer Heinrich Himmler Gefallen fand an der Idee, Ratten zu züchten, die zu Krebs neigten, und sie in den Städten auszusetzen, zur Bekämpfung der Rattenplage. 65 Jahre später wirkt dieser Einfall originell und bemerkenswert vorausblickend. (Es scheint zu den bahnbrechenden deutschen Krebsbekämpfungsbemühungen vor dem Zweiten Weltkrieg allerdings auch gegenläufige Tendenzen gegeben zu haben, denn 1933 verbot Reichsmarschall Hermann Göring die Vivisektion. Wer Tiere wie lebloses Eigentum behandelte, den drohte er in ein Konzentrationslager zu stecken – eine Massnahme, die viele der heutigen extremistischen Tierschützer zweifellos begrüssen würden.)
Die von spezialisierten Firmen zu Millionen gezüchtete und weltweit vertriebene heutige Laborratte ist mehr denn je ein wichtiges Werkzeug im breiten Spektrum medizinischer und naturwissenschaftlicher Forschung. Manche Verwendungszwecke des bescheidenen Wesens muten eher futuristisch an. So ist die Laborratte die am häufigsten eingesetzte Spezies zur Erforschung der Physiologie im Weltraum, insbesondere der Reaktion auf den Zustand der Schwerelosigkeit. Unablässig werden Ratten in «Biosatelliten» auf erdnahe Umlaufbahnen geschossen. Es kann kaum erstaunen, dass es ihnen besser geht, wenn sie zusammen mit ihresgleichen statt solo unterwegs sind, und dass es ihnen gut tut, wenn sie zur Beruhigung vor dem Flug von Menschen umsorgt und gehätschelt werden. Ihren Fress- und Trinkgewohnheiten im All nach zu schliessen, scheinen sich Ratten vom dritten Tag an gut an den Zustand der Schwerelosigkeit zu gewöhnen, leiden allerdings wie wir oft an Reisekrankheit. Da sie wie erwähnt nicht erbrechen können, knirschen sie vor Elend mit den Zähnen und würden wie ihre menschlichen Leidensgenossen wahrscheinlich am liebsten sterben.
Finsterer erscheint die Möglichkeit, Ratten mittels in ihr Hirn implantierter Elektroden zu steuern. Mit Hilfe dieser Methode sind bereits fünf so genannte Ratboter erfolgreich durch einen komplizierten Hindernisparcours gesteuert worden. Die Elektroden wurden in diejenigen Bereiche des Rattenhirns implantiert, die Signale von ihren Schnurrhaaren verarbeiten, sowie diejenigen, die mit Belohnung und Wohlgefühl zu tun haben. Somit wurde ein «nach rechts»-Signal von den Ratten als eine Berührung ihrer rechten Schnurrhaare interpretiert. Bogen sie nach rechts ab, stimulierte ein anderes Signal ihre Belohnungszentren, worauf sie vermutlich ein Wohlgefühl empfanden. Man hofft, eines Tages mit winzigen Fernsehkameras ausgestattete Ratboter einsetzen zu können, die bei Katastrophen wie z. B. Erdbeben in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden suchen würden, angespornt zu ihrer harten Aufgabe durch Wellen ferngesteuerten Wohlgefühls. Dadurch, dass sie so klein sind, scharfe Sinne und die angeborene Fähigkeit haben, sich im Dunkeln zurechtzufinden, wären sie für Bergungsspezialisten flexiblere Helfer als die heutigen Spürhunde.
Dennoch fällt es schwer, keine Vorbehalte gegen Forschungen dieser Art zu haben. Ferngesteuerte Ratten sind von der Idee her nicht allzu weit entfernt von ferngesteuerten Menschen, und diejenigen von uns, die mit schaurigen Parabeln wie Aldous Huxleys «Schöne neue Welt» aufgewachsen sind, können sich eines unguten Gefühls nicht erwehren. Vor dem Hintergrund solch kaltblütiger Experimente und spezialisierter Zucht sind die Schlussfolgerungen aus einem relativ neuen Dokumentarfilm einerseits erfreulich. In «The Laboratory Rat: A Natural History» zeigt Dr. Manuel Berdoy von der Oxford University, wie rasch Laborratten zu normalem Rattenverhalten zurückfinden, wenn sie in der Wildnis freigelassen werden. Auch wenn x Generationen ihrer Vorfahren in Gefangenschaft unselbständig gelebt hatten, blieb ihre angeborene Neugier erhalten, so dass freigelassene Ratten binnen weniger Tage das neue unvertraute Territorium erforscht, einen Unterschlupf, Nahrung und Wasser gefunden hatten. Bald bildete sich ihre normale gesellschaftliche Hierarchie heraus und bereiteten sich die Weibchen wie immer schon wild lebende auf ihre Trächtigkeit vor, indem sie Futter suchten und horteten. Die Ratten begannen sich auch wie ihre wilden Vorfahren zu bewegen, indem sie liefen und sprangen, statt sich wie im Käfig träg dahinzuschleppen.
Auch sie haben Alpträume
Ich sagte «einerseits erfreulich», denn auf der anderen Seite wird durch solche Forschungsergebnisse die Käfighaltung von Unmassen dieser Geschöpfe ethisch noch zweifelhafter. Dazu kommen noch neuste Nachrichten, wonach Laborratten mit grosser Sicherheit träumen, und zwar von Labyrinthen.
Bei einem kürzlich erfolgten Experiment wurden Ratten durch ein Labyrinth geschickt, mit nach Schokolade schmeckenden Leckerbissen belohnt – und während alledem wurden die Muster ihrer Hirntätigkeit aufgezeichnet. Als die Ratten schliefen, stellte sich heraus, dass ihr Hirn diese Muster genau reproduzierte. Insbesondere die elektrische Aktivität in den für das Bilden und Speichern von Erinnerungen zuständigen Hirnbereichen wurde in genau den Schlafphasen reproduziert, die beim Menschen sehr viel mit Träumen zu tun haben. Die Aktivitätsmuster waren offenbar so präzise, dass die Wissenschaftler genau sagen konnten, an welcher Stelle des Labyrinths die Ratte sich im Traum befand und ob sie sich bewegte oder stillstand. Daraus folgt die erschütternde Konsequenz, dass Ratten, die traumatischeren Experimenten als dem Durchqueren von Labyrinthen unterzogen werden, womöglich Alpträume haben. Das mag eine allzu anthropomorphisierende Schlussfolgerung sein, aber sehr vieles spricht dafür.
Während die Ratte immer detaillierter untersucht wird und Myriaden Aufgaben erledigen muss, die vielleicht dem Wohle der Menschheit dienen, wird es immer schwieriger, uns mit «speziesistischen» Argumenten gegen sie abzugrenzen. Seit langem steht fest, dass Ratten intelligent und neugierig sind, dass sie Schmerz und Angst empfinden. Sie können sich auch langweilen, ganz wie wir krankhafte Störungen entwickeln und, wie es jetzt scheint, auch noch träumen. Wie also steht es mit unserer ethischen Berechtigung dafür, an diesen warmblütigen Säugetieren unangenehme, oft tödliche Experimente vorzunehmen, die einzig unseren Zwecken dienen? Zweifellos macht das Image der Ratte als schmutziges und gefährliches Ungeziefer es einfacher, Skrupel zu überwinden, so wie die Entmenschlichung des Gegners im Krieg es einfacher macht, Menschen umzubringen.
Es gibt einen seltsamen und deutlichen Unterschied zwischen Europa und den USA, was die Einstellung Labortieren gegenüber betrifft. In der EU wie in den USA gibt es klare Vorschriften für die Behandlung von Tieren, die für Forschungszwecke verwendet werden. Der amerikanische Animal Welfare Act definiert «Tier» als «jedes warmblütige Tier, das für Forschungs-, Unterrichts-, Test- oder experimentelle Zwecke verwendet wird. Von dieser Definition zurzeit ausgeschlossen sind Vögel, Ratten der Gattung Rattus und Mäuse der Gattung Mus, die zu Forschungszwecken gezüchtet werden.» In dem Teil des Act, der die Grösse der Käfige für die Unterbringung dieser Tiere vorschreibt, sind Nagetiere wie Meerschweinchen und Hamster aufgeführt, Ratten jedoch nicht. Anders sieht es in der EU aus. Das «europäische Übereinkommen zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Wirbeltiere» ist viel umfassender, indem es «Tier» als «jedes lebende, nichtmenschliche Wirbeltier» definiert. Kurz: Man möchte lieber eine europäische als eine amerikanische Laborratte sein. Forschungstechnisch gesehen hätte man es als amerikanischer Wissenschaftler aber vielleicht besser denn als europäischer. Wissenschaftler, mit denen ich in Europa sprach, äusserten die Befürchtung, sie könnten auf gewissen Gebieten von den USA abgehängt werden wegen der grösseren Einschränkungen hierzulande, die Behandlung von Laborratten betreffend.
Unnütze Experimente
Ich will mich hier nicht in die verschlungenen Probleme von Vivisektion und Tierschutz verwickeln. Als Wissenschaftler vor einem Jahrhundert Rattus norvegicus zu züchten begannen, brachten sie zahmere Exemplare oft ihren Kindern als Haustiere. Damit entstand ein paralleles Zuchtgewerbe, das ganz wie bei den Hunde- und Katzenrassen alle möglichen ausgefallenen Rattensorten hervorbrachte. Ironischerweise hat gerade in den USA die Ratte als Haustier ein riesiges Gewerbe nach sich gezogen, mit speziellen Schönheitswettbewerben und Auszeichnungen, Büchern und Tierärzten sowie Ratschlägen für die Sterbehilfe bei unheilbar kranken Ratten. Wie man sich vorstellen kann, kämpft das Lager der Rattenfreunde besonders heftig gegen die Vivisektion. Sie beschreiben nicht nur drastisch, wie Laborratten in aller Welt (wenn auch in Europa hoffentlich etwas weniger) täglich erniedrigt und zu Tode gequält werden, sondern führen auch all die Punkte auf, in denen Menschen und Ratten sich, die Physiologie, Psychologie oder das Verhalten betreffend, unterscheiden. Sie behaupten, die Reaktion einer Ratte auf eine chemische Substanz sage nichts darüber aus, wie ein Mensch darauf reagiere, weshalb solche Experimente unnütz seien. Ein von ihnen aufgeführtes Beispiel ist das Anti-Östrogen-Medikament Tamoxifen, das gegen Brustkrebs verwendet wird. Patentiert wurde es ursprünglich als Kontrazeptivum (als was es bei Ratten wirkt), bei Frauen aber scheint es die gegenteilige Wirkung zu haben.
Ekel vor uns selbst?
Damit die Proportionen wieder stimmen, sei daran erinnert, dass der grösste Teil der riesigen Rattenbevölkerung der Welt nicht in Laboratorien, sondern in Kanalisationen und Slumvierteln lebt, ja sogar in den Wänden ebenjener komfortablen Wohnung, in der Sie gerade diesen Text lesen. Solche wilden Ratten können in der Tat Seuchen verbreiten, so wie sie überall in der Welt unermesslichen Schaden anrichten dadurch, dass sie Nahrungsvorräte fressen oder verunreinigen oder Brände verursachen, indem sie die Isolation von Stromkabeln durchnagen. Es stimmt, dass ausgehungerte Ratten zuweilen schlafende Babys beissen, allerdings wohl nicht so sehr einer angeborenen Bösartigkeit wegen als vielmehr wegen der verlockenden Gerüche von Essensresten um des Babys Mund. Professionelle Schädlingsbekämpfer gestehen unumwunden ihre Angst und ihren Ekel vor Ratten, geben aber gleichzeitig zu, dass die erstaunliche Anpassungsfähigkeit, Gerissenheit, Intelligenz und Überlebensfähigkeit der Tiere ihnen Respekt, ja sogar Bewunderung abringen.
Haben sich Ratten einmal an einem Ort festgesetzt, ist es fast unmöglich, sie wieder auszurotten. Vor ein paar Jahren traf ich in Australien einen Ornithologen, der die letzten Exemplare einer seltenen Vogelart auf einer kleinen Insel vor der Küste zu retten versuchte. Die übrig gebliebenen Vögel waren nur von einer einzigen Sorte Räuber bedroht: den Wanderratten, die ungewollt von einem Boot auf die Insel gebracht worden waren und nun die Eier der Vögel frassen. Mein Bekannter hatte schliesslich die Unterstützung der Regierung für eine Aktion zur völligen Ausrottung der Ratten auf der Insel erhalten, und das Letzte, was ich hörte, war, die Aktion sei erfolgreich gewesen; sicher sein konnte der Mann aber erst Monate später. Im Lauf der Geschichte haben von Schiffen an Land gegangene Ratten auf Inseln in aller Welt immer wieder ganze Vogel- und sonstige Tierarten ausgerottet – ganz wie wir Menschen.
Solche ökologischen Schäden kann man mit Fug Rattus norvegicus anlasten. Doch sogar dieses gesellschaftsschädigende Verhalten kann nicht wirklich erklären, warum der menschliche Widerwillen gegen diese Tiere dermassen tief sitzt. Er ist umso merkwürdiger, als Hamster – ebenfalls Nagetiere und in vieler Hinsicht nicht grundsätzlich anders – in der Regel keine solche Abscheu erregen. Vielleicht weil sie keine Schwänze haben? Ekel ist eigentlich immer eine inadäquate Emotion, denn zu vieles bleibt dadurch unerklärt. Ich habe den Verdacht, dass der verbreitete Hass auf Ratten zum Teil von dem moralischen Vorwurf herrührt, der sich mit ihnen verbindet. Sehen wir sie in einer dunklen Gasse Müllsäcke durchwühlen oder sich zwischen den Schienen einer U-Bahn-Station um ein weggeworfenes Stück Pizza streiten, dann erinnern sie uns zwangsläufig daran, was für Festessen unsere verschwenderische Zivilisation unbekümmert liegen lässt. In gewissen Stadtgebieten der industrialisierten Welt werden heute bereits die Ratten fett: Korpulent wackeln sie des Wegs, voll gestopft mit Pommes frites, Hamburgers und Eiscreme. Horrorgeschichten davon, dass Ratten in den heruntergekommensten Gebieten von Städten wie New York, London und Paris schlafende Kinder ins Gesicht beissen und ganze Wohnblöcke so befallen, dass sie vor Rattenurin stinken, gehören zum selben Vorwurf.
Dass Ratten in unseren Städten dermassen prächtig gedeihen, ist ein zu deutlich sichtbares Anzeichen unserer rücksichtslosen Lebensweise, unseres grotesken Überflusses an Nahrung und unserer damit einhergehenden Gleichgültigkeit gegenüber der Armut anderer. Ja, die merkwürdig ans Mittelalter erinnernde Eigenheit der Ratten – dass sich bei ihnen Luxus mit Schmutz paart – erfüllt uns erst recht mit Grauen. Es ist die Angst, dass das Fundament unserer Erhabenheit unablässig unten weggenagt werde, dass sie letztlich in nichts Soliderem gründe als Elendsvierteldreck und Korruption und dass der vollkommene Zusammenbruch nur eine Frage der Zeit sei. Ratten erinnern uns an unsere Sterblichkeit, und dafür hassen wir sie.
Alledem möchte ich hinzufügen, dass noch etwas für wirklich wild lebende Ratten spricht: Sie schmecken ziemlich gut. Zum ersten Mal wurde mir 1968 im amazonischen Regenwald geröstete Ratte angeboten, und aus Gründen der Politesse konnte ich unmöglich ablehnen. Der Lagerfeuer-Cuisine wegen schmeckte sie etwas trocken, zäh und rauchig, aber im Grunde wirklich gut. Natürlich würde man so wenig eine Stadtratte essen wie eine Stadttaube, eine dieser von Ungeziefer übersäten, nach Diesel stinkenden Luftratten, die inmitten der Autos an Kaugummis herumpicken. Doch nachdem ich in Italien exquisite Eichhörnchen, mit Pinienkernen farciert und in Olivenöl gebraten, gekostet habe, bin ich überzeugt, dass Nagetiere zahlreiche kulinarische Möglichkeiten bieten. Es könnte lohnend sein, Waldratten als Delikatessen zu behandeln. Mir persönlich behagt die Idee einer Pâté de rat. Sollte diese Art der Küche populär werden, könnte sie sogar die politische Auseinandersetzung verändern. So könnte die Schweizer Linke auf eigenen Plakaten verkünden, sie sei «links, nett und zum Anbeissen».
Aus dem Englischen von Thomas Bodmer













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