Als Thema mag die Erwärmung der Erdatmosphäre in letzter Zeit durch den Irak in den Hintergrund gedrängt worden sein, doch derweil hat sich das Klima unerbittlich weiter verändert. Die Untersuchung von Eiskernen gibt mit noch nie dagewesener Präzision Aufschluss über jahreszeitlich bedingte Temperaturschwankungen, Niederschläge, Pflanzenwachstum und CO2-Anteile der Atmosphäre in den letzten 750000 Jahren. Diese Ergebnisse bestätigen, dass in den letzten 50 Jahren die Temperaturen parallel zu den CO2-Anteilen abrupt gestiegen sind. Die Polarkappen und Gletscher schmelzen praktisch vor unseren Augen dahin.
Es ist praktisch sicher, dass dieses Phänomen von der industriellen Tätigkeit des Menschen verursacht wird (dazu gehören natürlich auch industriell betriebene Landwirtschaft und Viehzucht), aber noch weigern sich ein paar Industrieländer – hauptsächlich die USA und Australien –, dies einzugestehen. Die USA, die weltweit am meisten CO2 ausstossen, verschanzen sich hinter dem gleichen Hinhalteargument wie bis vor kurzem die Tabakindustrie: «Einiges deutet darauf hin, dass dem so sein könnte, doch weiss man noch nicht genug, um hundertprozentig sicher zu sein.» Mit dem ihnen eigenen Optimismus vertrauen sie auch da-rauf, dass, egal was kommen möge, ihnen rechtzeitig eine technische Möglichkeit einfallen werde, um die Sache zu reparieren. Auch ich ziehe in der Regel technische Lösungen dem Fatalismus vor, doch lässt sich dieser Planet nicht beliebig so modifizieren, dass er zu unserem Lebensstil passt. So bestehen bereits Pläne für eine Manipulation des Wetters, aber in Anbetracht dessen, wie wenig man von den Komplexitäten der Meteorologie und von den Meereströmungen weiss, mutet das wie Vermessenheit an.
Nur die reichen Länder könnten es sich leisten, bei solchen Plänen mitzumachen, und zweifellos spielten die USA dabei die Hauptrolle. Weil sie von Natur aus ihrem Klima und ihrer Agrikultur den Vorrang geben würden, hätte der Rest der Welt wohl wenig mitzureden und würde das Klima der Erde wohl so manipuliert, dass es einem Land zugute käme, während in den anderen Dürre und Hungersnöte herrschten. Das wiederum wäre ja nicht so schlecht für die wiedererstarkte amerikanische Agroindustrie, die Überschüsse zu verkaufen hätte. Ein solches Szenario wäre dem Weltfrieden wenig förderlich: Auf Wasserkriege würden Wetterkriege folgen.
Alle Vorschläge zur Eindämmung des Treibhauseffekts sind nur Linderungsmassnahmen und keine Lösungen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Biobrennstoffe auf Sojaöl-Basis. Im Gegensatz zu den schmutzigen alten fossilen Brennstoffen scheint dabei alles wunderbar grün zu sein. Sie werden als «kohlenstoffneutral» angepriesen, da sie bei ihrer Verbrennung gleich viel Kohlenstoff abgäben, wie die Pflanze während ihres Wachstums gebunden habe. Das ist falsch gerechnet. Die Herstellung von Sojaöl braucht drei- bis viermal so viel Energie, wie dieses bei der Verbrennung hergibt. Die Traktoren, die beim Anbau des Sojas zum Einsatz kommen, der Dünger, den es braucht, damit es wächst, der Transport, die Verarbeitung und die Lieferung an die Tankstellen – sie alle verbrauchen Erdölprodukte in Mengen, die man wohlweislich aus der «kohlenstoffneutralen» Gleichung draussen lässt. Und nicht nur das: Die Soja-Agrarindustrie hat bereits das Ihre beigetragen zur massiven Entwaldung im Amazonasgebiet und anderen Regionen Südamerikas, und es ist geplant, diese Industrie auszubauen.
Vor ein paar Jahrzehnten begannen ein paar Leute, das Undenkbare zu denken: dass die Wirtschaft nicht nachhaltig, ja umweltschädigend sei. Der Kalte Krieg und der Optimismus derjenigen, die vom Kapitalismus am stärksten begünstigt wurden, machten es einfach, solchen Radikalismus als Schwarzmalerei abzutun. Doch auch China, Indien und andere Entwick-lungsländer machen keinerlei Anstalten, ihre Wirtschaftspläne zu ändern. Experten sagen, der Höhepunkt der Erdölförderung sei überschritten, zahlbare durch Kernfusion gewonnene Energie sei frühestens in fünfzig Jahren zu erwarten und möglicherweise ohnehin eine Illusion. Brennstoffzellen und Wasserstoffmotoren bringen riesige Produktions-, Lager- und Vertriebsprobleme mit sich, von den auch hier versteckten Kohlenstoffkosten nicht zu reden.
Aber statt einen Kurswechsel vorzunehmen, entwickeln wir immer grandiosere Palliative, weil wir nun mal keine besonders intelligente Spezies sind. Unser Überleben ist davon abhängig, dass es Pflanzen gibt; und zur Reparatur des Schadens, den wir mit unserer dummen Lebensweise angerichtet haben, wird jetzt vorgeschlagen, am Klima herumzupfuschen. Super. Es ist, als litte die Menschheit am krankhaften Zwang, mit dem Kopf gegen eine Backsteinmauer zu rennen, und als schlüge sie intelligenterweise zur Behandlung vor, die Mauer etwas weicher zu machen.
Aus dem Englischen von Thomas Bodmer













Kommentare