Intern

Editorial

Von Simon Heusser

Europas neuer Terror-Zar hat zugeschlagen. Knapp hundert Tage nach dem Massaker von Madrid liess EU-Koordinator Gijs de Vries am Dienstag die Polizisten mehrerer Staaten ausschwärmen. In Mailand ging ihnen ein dicker Fisch ins Netz: Osman al-Sayed, der mutmassliche Ingenieur der Madrider Bomben. Noch gibt es keine offizielle Fahndungsbilanz zu den Anschlägen vom 11. März. Ausland-Redaktor Urs Gehriger hat die Puzzlestücke zusammengesucht und sie mit Berichten der rund dreissig (!) gescheiterten Attentate der letzten Jahre verglichen. Fazit: Europas Islamisten agieren keineswegs völlig autonom in kleinen Zirkeln, wie manche Terrorexperten behaupten; vielmehr sind sie global vernetzt. Und die entscheidenden Knotenpunkte im Netz sind professionelle «Terror-Manager» – die Kader Osama Bin Ladens. Siehe Artikel zum Thema «Terrorismus: Das engmaschige islamistische Netzwerk In Europa».

Unser Kollege Hanspeter Born hatte schon immer ein für den normalen Europäer schwer erklärbares Faible für einen Politiker, der auf dem Alten Kontinent zuerst als einfältiger Hollywood-Schauspieler verspottet und später als verbohrter Kalter Krieger gefürchtet wurde. Bevor Born für die Weltwoche über Reagans drei Gipfeltreffen mit Gorbatschow berichtete, verfolgte er als DRS-Amerika-Korrespondent dessen Wahlkampf und erste Schritte als Präsident. Und Born war der einzige ausländische Korrespondent, der am 30. März 1981 vor dem Washingtoner «Hilton»-Hotel Zeuge wurde, wie Bodyguards des Weissen Hauses den angeschossenen Präsidenten in seine Limousine stiessen und wie Polizisten den jungen Attentäter festnahmen. Seine persönlichen Erinnerungen an Ronald Reagan siehe Artikel zum Thema «Nachruf: Ronald Reagan, der Eisbrecher».

Gäbe es ein Dream-Team der Fussballjournalisten, Simon Kuper wäre Stammspieler. Sein Buch «Football against the Enemy» wurde 1994 als englisches «Sportbuch des Jahres» ausgezeichnet, seine brillanten Analysen erschienen unter anderem im New York Times Magazine, Time-Magazin und Observer, in der Financial Times, und im japanischen Magazin Sportiva hat er eine Kolumne. Umso mehr freut es uns, dass der studierte Historiker exklusiv für die Weltwoche während der Europameisterschaft in Portugal eine wöchentliche Kolumne schreiben wird. In diesem Heft widmet sich der 34-Jährige, der in Holland aufwuchs, englischer Staatsbürger ist und in Paris lebt, zudem in einer Geschichte der Rivalität zwischen Deutschland und Holland: «dem» Hass-Duell des Turniers schlechthin. «Holland wird gewinnen», glaubt Kuper, «aber die Deutschen werden es sein, die sich für das Viertelfinale qualifizieren.» Siehe Artikel zum Thema «EM-Kolumne: Oui zum Yes».

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