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Trockener Po

Von Peter Bodenmann

























Beschleunigt sich die Erwärmung des Klimas in der Schweiz? Einiges spricht dafür. Wird Bern bald ein solch mildes Klima kennen wie Nizza? Klimatologen halten es für wahrscheinlich.

Im Sommer wird es regelmässig schön heiss bei wenig Niederschlägen. Immer mehr Einzugsgebiete von Gewässern sind gletscherfrei. Bäche und Flüsse trocknen aus. Dafür schneit und regnet es im Winter mehr. Regelmässige Hochwasser stehen ins Haus.

Irren sich unsere Wissenschaftler? Vielleicht, aber ihre Prognosen werden immer präziser. Eine Möglichkeit, die vorausgesagte Entwicklung zu stoppen, gibt es offenbar nicht. Die Chance, die Erwärmung des Klimas in der Schweiz wenigstens zu verlangsamen, ist klein.

Denn Ökologie ist national und international kein grosses Thema mehr, obwohl dank dem technischen Fortschritt der ökologische Umbau sich auch ökonomisch halbwegs rechnen würde. Wo kein politischer Wille, da kein realisierbarer Umweltschutz.

Ein Blick in den nahen Süden macht die Zukunft erlebbar. Ein kurzer Abstecher in den Süden genügt, um festzustellen: Der Po ist am Austrocknen. Der Vorschlag, das Niveau des Lago Maggiore um 1,5 Meter abzusenken, um etwas Wasser in den Po zu bekommen, stösst auf den erbitterten Widerstand der Seeanwohner. Ohne Wasser keine schönen Uferlandschaften, damit keine Postkartenbilder und folglich weniger Touristen. Die italienischen Behörden prüfen die Ausrufung des Notstandes, weil auch die wenigen Stauseen auf der Alpensüdseite über zu wenig Wasser verfügen.

Alles wird anders. Die meisten Schweizer Gletscher werden nicht überleben. Stromengpässe wird es in Europa neu – wenn überhaupt – eher in heissen Sommermonaten als in milden Wintern geben. Auf lange Trockenperioden folgen heftige Jahrhundert-Niederschläge.

Werden in zwanzig Jahren die Berner den Brienzer- und Thunersee absenken können, damit die Beamten weiter in der Aare baden und die Bauern weiter ihre Felder künstlich bewässern dürfen? Muss die Thunersee-Schifffahrt folglich wegen zu tiefer Pegelstände ihren Betrieb einstellen? Oder setzen sich jene durch, die von und mit den beiden Seen ihr Brot verdienen?

Die Schweiz verfügt im europäischen Quervergleich über relativ viele Stauseen. Diese werden wir, da sie neu zusätzliche Funktionen wahrzunehmen haben, anders bewirtschaften als heute. Der Wert der bestehenden Stauseen wird folglich steigen. Und da beim Heimfall der Wasserkraftwerke deren nasser Teil entschädigungslos an die Wasserschlosskantone und deren Gemeinden zurückfallen, dürfen sich diese für einmal vorfreuen. Die bestehenden Stauwerke werden allerdings nicht ausreichen. Die Schweiz wird in mittleren Höhenlagen neue Stauseen bauen müssen, die das Land vor Hochwasser und Austrocknung schützen und gleichzeitig noch etwas Strom produzieren.

Wenn wir das rechtzeitig machen, werden wir europäisch zu den grossen Profiteuren der Klimakatastrophe gehören. Im Süden wird es im Sommer zu heiss, und bei uns wird es so heiss sein wie bisher im Süden. Die Schweizer Seen werden Badeteiche für junge wilde Deutsche und im Winter liegen die hochalpinen Schweizer Skigebiete höher und damit idealer als jene von Österreich und Frankreich. Noch besser für die jungen Deutschen, die Italien nun meiden.

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