Intern

Editorial

Von Roger Köppel

Mit dumpfer Lust zelebriert der von einem wendigen Theologen geführte Blick eine neuerliche Hämekampagne gegen die ehemalige Bundesrätin Elisabeth Kopp. Das schwindsüchtige Boulevardblatt ergötzt sich seit über einer Woche am finanziellen Niedergang der früheren Spitzenpolitikerin und ihres Ehemanns, der nach landläufig falscher Auffassung zu den notorischen Wirtschaftskriminellen der Schweiz gehören soll. Der dröhnende Moralisten-Ton der Berichterstattung passt zur Artikelserie, die sich am emotionalen Primitivreservoir frühneuzeitlicher Treibjagd-Rituale bedient – bis das Opfer schliesslich erledigt und ausgeweidet am Boden liegt.

Es ist so bezeichnend wie befremdend, dass Kampagnen dieser Art in einem Verlagshaus ausgebrütet werden, dessen Besitzer noch an jeder Gartenparty am Zürich- oder Genfersee sein erdbebensicheres Gutmenschentum als gelebten Dienst an den Schwachen dieser Welt beteuert. Man erinnert sich an eine Titelgeschichte im Sonntagsblick vor ein paar Monaten, als ein krebskranker, nahezu bankrotter früherer SVP-Politiker als Heuchler geschreddert wurde, weil er nach dem ärztlichen Befund, er werde bald sterben, nicht mehr jenen unternehmerischen Fleiss an den Tag legen konnte, der es ihm erlaubt hätte, seine Steuern pünktlich zu begleichen.Möge das Ehepaar Ringier von Schicksalsschlägen verschont bleiben, die seine marodierenden Angestellten bei Bedarf zu Präventivkampagnen gegen unliebsame Zeitgenossen schmieden.

Unsere Autorin Yvonne-Denise Köchli hat aus Anlass der neuesten Boulevard-Enthüllungen den so genannten Fall Kopp nochmals aufgearbeitet. Aus Gesprächen mit der ehemaligen Bundesrätin und ihrem Mann, aber auch aus jahrelangen Recherchen filtert sie das Material für eine Geschichte, die im Grunde tragisch anmutet: Die Ächtung der ersten Schweizer Bundesrätin, an der sich noch heute jeder Blick-Volontär die Schuhe abputzen darf, steht in keinem Verhältnis zu den Vorfällen, die ihr zur Last gelegt werden können.

Weiter in diesem Blatt: Unser Reporter Eugen Sorg und der Fotograf Nathan Beck haben sich in den Elendsvierteln der Megacity Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, umgesehen. Man streifte an Müllbergen entlang durch endlose Hüttenlandschaften und kehrte ein in Freiluftkneipen zwischen Bahngeleisen. Sorg und Beck trafen auf eine Reihe von Slumbewohnern, die zwar noch nie etwas von Saddam Hussein, George W. Bush, dem Irak-Krieg oder Elvis Presley gehört haben, die für sich aber in Anspruch nehmen, ein glückliches Leben zu führen.

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