Intern

Editorial

Von red

Im Juni letzten Jahres gab die Nummer zwei der Credit Suisse Group, Thomas Wellauer, einen grösseren Stellenabbau bekannt. Spätestens im Herbst 2002, beschwichtigte der Topbanker, wisse aber jeder Mitarbeiter, wo er hingehöre. Heute, zehn Monate danach, ist der Stellenabbau immer noch nicht abgeschlossen. Stattdessen wurde eine weitere Restrukturierung angekündigt. Und Thomas Wellauer ist mittlerweile selber abgesetzt und arbeitslos.

Auch er wurde ein Opfer der ökonomischen Schwindsucht, welche die Schweizer Finanzinstitute in den letzten Jahren heimgesucht hat. Weltwoche-Redaktor Claude Baumann hat sich in den schicken Etablissements rund um den Zürcher Paradeplatz umgeschaut. Wo fröhliche Jungbroker sich eben noch an fetten Boni freuten, lecken sie heute ihre Wunden, trauern dem verkauften Ferrari nach und hoffen auf bessere Zeiten.

Wie immer in Krisenzeiten nimmt man Zuflucht zu Vater Staat. Er soll die Dinge wieder richten. Zum Beispiel im Fall der Pensionskasse der SBB. Unser Bundeshaus-Redaktor Urs Paul Engeler kommentiert, wie sich die Kassenmanager ungerührt an Finanzminister Villiger wenden, auf dass der Bund ihr Milliardenloch stopfe. Obwohl die Pensionskasse schon vor vier Jahren privatisiert worden war.

Nicht nur die Pensionskassen und Banken serbeln. Die ganze Schweiz leidet seit über einem Jahrzehnt an Zwergwuchs. Sogar das Bruttoinlandprodukt der Tequila-Nation Mexiko wächst heute schneller als dasjenige der Eidgenossenschaft. Unser Autor Markus Schneider untersucht, ob der Staat der depressiven Ökonomie wieder Lebenskraft zuführen kann.

Vor fünfzig Jahren starb der neben Hitler grösste Massenmörder des 20. Jahrhunderts, Josef Dschugaschwili, genannt Stalin. Wer war der russische Despot? Wie stehen die Russen heute zu ihm? Christoph Neidhart, langjähriger Korrespondent der Weltwoche in Moskau und heute in Tokio stationiert, hat sich dem schwierigen Verhältnis der Russen zu ihrem ehemaligen Diktator angenähert. Wie intensiv Neidhart nach wie vor den russischen Alltag verfolgt, dokumentiert er in seinem kürzlich erschienenen Buch «Russia’s Carnival: The Smells, Sights, and Sounds of Transition» (Rowman & Littlefield, 256 S., 26,95 Dollar). Darin zeichnet er anhand der fünf Sinne den Übergang zur Marktwirtschaft nach. «Russland riecht heute anders als die Sowjetunion», sagt Neidhart. «Sogar die Essgewohnheiten haben sich verändert.»

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