Als die 24-jährige Oxana Fedorowa Ende Mai dieses Jahres in Puerto Rico zur schönsten Frau des Universums gekürt wurde, standen Russlands Medien Kopf. 74 Konkurrentinnen hatte die Russin ausgestochen. Für die 1,80 Meter grosse Brünette aus St. Petersburg, im Nebenberuf Oberleutnant der Miliz, hatte die Jury sogar eine Ausnahme gemacht: Die schöne Russin sprach als einzige der Kandidatinnen für den Titel der Miss Universe kein Wort Englisch und brauchte zur Verständigung mit ihren Mitbewerberinnen und der Jury einen Dolmetscher.
Nach vier Monaten entsagte die Russin dem Rummel der Glitzerwelt. Anstatt für Promotionszwecke und Wohltätigkeitsveranstaltungen weiter um die Welt zu jetten, bat die Absolventin der zentralen Milizhochschule in St. Petersburg darum, nach Hause fahren zu können, um ihr Studium zu beenden. Gemäss der Miss-Universe-Organisation von Donald Trump und NBC ging Fedorowa allerdings nicht freiwillig, sondern wurde entlassen, weil sie Vertragsbedingungen nicht einhielt. Erstmals in der 52-jährigen Geschichte der Miss Universe übernahm am 23. September 2002 die Zweitplatzierte die Krone: Justine Pasek (22) aus Panama.
Die russischen Medien witterten wie schon bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City eine Verschwörung, und die New York Post verhöhnte die ehemalige Miss Universe als «verwöhnte Zicke». Die inzwischen zum Hauptmann der Miliz ernannte Fedorowa nahm es gelassen: «Für die Russen und für mich selbst bleibe ich die Miss Universe.»
Oxana Fedorowa war 1999 Miss Petersburg und vor einem Jahr Miss Russland geworden. Abseits aller Schönheitswettbewerbe führt sie ein durch und durch braves und bürgerliches Leben: Anstatt in Klubs zu gehen, verbringt sie ihre Freizeit lieber zu Hause mit Freunden oder im Fitnessstudio. Während der Ausbildung und des Jurastudiums an der Milizhochschule glänzte sie stets mit Bestnoten. Der Universitätsdirektor sagte ihr bereits eine grosse «Zukunft in der Jurisprudenz» voraus und lobte ihren Umgang mit der Waffe sowie ihre «Fähigkeit, Staatsgeheimnisse zu wahren».
Auch ihr Privatleben hütet die angehende Juristin wie ein Staatsgeheimnis. Gerüchte, wonach ihr Freund ein 48-jähriger Geschäftsmann mit einem eindrucksvollen Vorstrafenregister und engen Kontakten zu den kriminellen Autoritäten von St. Petersburg sei, bezeichnet sie knapp und unwirsch als «kompletten Unsinn».













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