Artenschutz

Elefantenrunde

Warum der Elfenbeinhandel den Elefanten nützt.

Von Michael Miersch

Der Entscheid klingt wie ein Rückschritt: Der Handel mit Elfenbein soll teilweise legalisiert werden. Das beschlossen letzte Woche in Chile die Länder des CITES-Vertrags, der den internationalen Handel mit bedrohten Tieren und Pflanzen regelt.

Nach neusten Beschlüssen dürfen nun Botswana, Namibia und Südafrika sechzig Tonnen Elfenbein aus ihren Lagerbeständen verkaufen. Die Stosszähne stammen von natürlich verendeten Tieren und legalen Abschüssen, die von Zeit zu Zeit notwendig werden, weil in manchen Schutzgebieten die Tiere überhand nehmen. Die Anträge von Simbabwe und Sambia, die ebenfalls Elfenbein exportieren wollen, wurden abgelehnt. Die Konferenz hielt die Regime dieser Länder für zu korrupt, um den Handel zu kontrollieren.

Droht jetzt ein neues Wildereimassaker, wie Tierschutzgruppen behaupten? Das ist ziemlich unwahrscheinlich. Denn die vergangenen zwanzig Jahre Elefantenmanagement in den verschiedenen afrikanischen Ländern haben gezeigt: Dort wo die Tiere legal genutzt werden, sind sie am sichersten. Wo sie jedoch unter Totalschutz stehen, steigt der Anreiz für Wilderei, für Schwarzhandel und Schmuggel. Denn für viele afrikanische Bauern ist ein Elefant nichts anderes als ein grosses Ungeziefer, das die Ernte frisst und die Felder zertrampelt. Um sich von dieser Plage zu befreien, gewähren die Bauern Wildererbanden Unterschlupf. Das Blatt wendet sich aber, sobald die Landbevölkerung Einnahmen aus einer legalen Nutzung erhält: Aus dem Ungeziefer wird eine Ressource, die man schützt und hegt.

Nutzungen gibt es viele: Tourismus, Trophäenjagd, Elfenbeinhandel. Doch für viele Tierschutzorganisationen aus Europa und Nordamerika sind Elefanten heilige Kühe. Von einer geregelten Nutzung wollen sie nichts wissen, selbst wenn sie dem Artenschutz zugute kommt.

Die Tierschützer sind in Chile gescheitert, und das ist gut so. CITES sollte ein Handelsabkommen bleiben und nicht zu einem Nutzungsverbotsabkommen werden, das nach dem Sympathiewert einiger Tierarten in den reichen Industrieländern entscheidet. Ein Sieg für den Artenschutz – eine Niederlage für die Gesinnungsethik, die die Menschen in Entwicklungsländern ausklammert.

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