Als Dirk Skreber vor rund einem Jahr den von der Berliner Nationalgalerie verliehenen Preis für junge Kunst entgegennahm, schlugen Wellen der Empörung hoch. Im Wesentlichen liegt dies natürlich im Neid begründet, den solche Auszeichnungen zwangsläufig bei all jenen nach sich ziehen, die sich übergangen fühlen. Mit Olafur Eliasson, Christian Jankowski und Katharina Grosse waren dies immerhin Kunstschaffende, die bereits seit Jahren ein beachtliches Renommee und internationale Beachtung geniessen. Der Installationskünstler, der Videokünstler und die Malerin, die hypnotische Farbsphären direkt auf die Wand appliziert, sie alle mussten zugunsten eines vergleichsweise wenig bekannten Künstlers zurückstehen, der seine Motive in realistischem Stil auf die Leinwand pinselt. «Banal, marktgängig und affirmativ», schimpfte das feindliche Lager und unterliess es ? vor Wut und Empörung ohnehin blind ?, sich die Arbeiten des «Aussenseiters» genauer anzusehen. Und so ist es manchem Kritiker entgangen, dass Skrebers Malerei zum Intelligentesten gehört, was das Medium derzeit zu bieten hat.
Motivisch sind die Arbeiten des Deutschen (*1961) von Unfällen und Katastrophen geprägt. Er malt Autounfälle, Überschwemmungen oder brennende Häuser, aber auch harmlos wirkende Wunschidyllen, wie die aus Vogelperspektive gegebene Villa mit Swimmingpool. Vage vertraut, entpuppt sie sich nach einem Blick auf den Untertitel («Hannelore allein zuhause») jedoch als gebrochener Traum. Pressefotos dienen dem Maler als Vorlage. Ihre Bedeutung wird indessen laufend unterminiert. Klischees werden herangezerrt, entleert, mit neuen Inhalten aufgeladen und abermals gebrochen. Eine statische Beziehung von Form und Inhalt sucht man vergebens. Kühl setzt Skreber inhaltliche Schemen neben abstrakte Bildformen, Farbtropfen und Spuren der eigenen Gestik, so dass künstlerische und gesellschaftliche Fragestellungen miteinander in Konkurrenz treten. Dekadenz oder Engagement, Kritik oder Affirmation? Skrebers Kunst ist subversiv, weil sie sich gleich selber den Boden unter den Füssen wegzieht. Sie ist glaubwürdig, weil sie die Mangelhaftigkeit der künstlerischen Mittel nicht überspielt, sondern sich an ihr orientiert.
Dirk Skreber: Kunstverein Freiburg, Freiburg im Breisgau, bis 14. April













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