Extrakte

Extrakte

Von Theres Lüthi und Mathias Plüss

Hirnforschung

Kaugummi fürs Gedächtnis

Das Kauen von Kaugummi verbessert die Gedächtnisleistungen. Dies berichteten englische Forscher vergangene Woche auf dem Jahrestreffen der British Psychological Society. An der Studie nahmen drei Gruppen mit je 25 Personen teil. Die Probanden der ersten Gruppe mussten drei Minuten lang Kaugummi kauen, die der zweiten Gruppe führten lediglich Kaubewegungen aus, ohne Kaugummi. Die dritte Partie diente als Kontrollgruppe. Anschliessend mussten alle Personen an einem 25-minütigen Test teilnehmen. Dabei wurden ihnen Wörter und Bilder vorgeführt, an die sie sich kurze Zeit später erinnern sollten. Am besten schnitten die Kaumgummikauer ab, gefolgt von den Personen, die den imaginären Kaugummi kauten. Die Forscher erklären sich diese Wirkung mit einer Erhöhung des Herzschlags während des Kauens. Dadurch werde vermehrt Sauerstoff und Glukose ins Hirn transportiert. Der Herzschlag bei den Kaugummikauern war drei Schläge pro Minute schneller als bei den Kontrollpersonen. Weiter könnte das Kauen auch die Produktion von Insulin anregen. Es ist schon länger bekannt, dass sich in der für die Gedächtnisbildung wichtigen Hirnregion - dem Hippocampus - besonders viele Andockstellen für Insulin befinden. tl


Tiere

Zweiköpfige Schlange

Eine aussergewöhnliche Entdeckung hat vergangenen Monat ein Bauer in der Nähe von Alicante gemacht: eine Schlange mit zwei Köpfen. Er händigte das zwei Monate alte und zwanzig Zentimeter lange Exemplar der Spezies Elaphe scalaris der Spanischen Herpetologischen Gesellschaft aus. Als Erstes möchten Wissenschaftler nun herausfinden, wie die beiden Köpfe beim Beutefang zusammenarbeiten. Ferner wollen sie untersuchen, wie sich die beiden Gehirne bei komplexen Verhaltensmustern miteinander absprechen. Ebenfalls von Interesse dürfte sein, wie weibliche Artgenossinnen auf den zweiköpfigen Verehrer reagieren. tl


Literatur

Gewiefte Giftmischerin

Agatha Christie hat gut aufgepasst, als sie als junge Frau in einer Apotheke arbeitete. 41 ihrer literarischen Morde beging die Krimiautorin mit Gift - dabei kamen Arsen, Chlor, Morphin, Nikotin, Strychnin, Thallium, Salz-, Blau- und Oxalsäure zur Anwendung. Christie wählte die todbringenden Substanzen nach allen Regeln der Kunst, und auch ihre Darstellungen der Vergiftungssymptome sowie der ärztlichen Fehleinschätzungen waren meisterhaft. Dies geht aus einer Studie der deutschen Gerichtsmediziner Benno Riesselmann und Volkmar Schneider hervor, die demnächst im Verlag Dieter Helm erscheinen wird. Die präzisen Schilderungen der Autorin haben übrigens bereits einmal einem Kleinkind das Leben gerettet: Dieses wäre beinahe an einer Thalliumvergiftung gestorben. Die Ärzte erkannten die Ursache der Krankheit nicht - es war eine Krankenschwester, die sich an die Lektüre des Krimis «Das fahle Pferd» und die dort beschriebenen Vergiftungssymptome erinnerte. mh


Medizin

In-vitro-Schäden

Die Befruchtung im Reagenzglas erfreut sich wachsender Beliebtheit. In Schweden und in Holland etwa werden bereits mehr als ein Prozent der Kinder ausserhalb des Mutterleibs gezeugt. Eine neue Studie könnte der In-vitro-Euphorie nun aber einen Dämpfer aufsetzen. Australische Wissenschaftler haben die Daten aller zwischen 1993 und 1997 in Westaustralien geborenen Retortenbabys untersucht. Wie die Forscher im New England Journal of Medicine berichten, wiesen neun Prozent dieser Kinder einen Geburtsschaden auf ? doppelt so viele wie bei natürlich gezeugten Babys. Ebenfalls erhöht war bei den Retortenbabys die Zahl von Mehrfachschäden. Noch ist unklar, ob die Defekte auf das Konto der Reagenzglasbefruchtung gehen oder ob sie auf Faktoren zurückzuführen sind, die mit der Unfruchtbarkeit der Eltern in Zusammenhang stehen. Sollte die Technik selber für die Defekte verantwortlich sein, stünden die teils aggressiv werbenden Befruchtungskliniken in der Verantwortung, ihre Kunden nicht nur über den Nutzen, sondern auch über die Gefahren aufzuklären. Und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch sollten sich vielleicht doch etwas länger mit dem altmodischen Zeugungsakt begnügen, bevor sie zum Reagenzglas greifen. tl

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