Es läuft nicht schlecht für Burkhalter. Er ist jetzt zweiunddreissig und im Top Middle Management. Auf dem Sprung wenn nicht ins Top, so doch ins Lower bis Middle Top Management, um in Burkhalters Feinabstufung zu bleiben, die er zu seiner Motivation geschaffen hat: Lower Middle, Middle, Upper Middle und Top Middle.
Es gibt Tage, an denen er die Eichung seiner Karriereskala noch ein wenig verfeinert. Zum Beispiel wenn er am Morgen aus der Garage fährt und ihn im Frühstau ein Déjà-vu beschleicht. Wenn es ihm vorkommt, als stehe er schon immer hier in dieser Kolonne vor dieser chronisch verstopften Kreuzung und lasse anderen notgedrungen den Vortritt. An solchen Tagen unterteilt er das Top Middle Management in Lower Top Middle, Middle Top Middle, Upper Top Middle und Top Top Middle. Nach dieser Skala ist er in seiner Karriere in den letzten zwei Jahren nicht stagniert, sondern hat, Herbst 2000, die Stufe vom Upper Top Middle zum Top Top Middle genommen.
Diese Feinstabstufungen erscheinen natürlich auf keinem Organigramm, sie sind eher spür- als sichtbar. Und auch das nicht materiell. Wir bewegen uns hier im psychologischen Bereich. Aber man weiss ja, welch entscheidende Rolle die Psychologie in der Karriere spielt. Eisener, um ein Burkhalter geläufiges Beispiel zu nehmen, Eisener kann sich unwidersprochen als Top Middle Management bezeichnen und sich mit Burkhalter auf eine Stufe stellen, auch wenn er, streng genommen, knapp Lower Top Middle ist. Obwohl er das selbst nie zugeben würde. Selbst wenn man mit den Betroffenen über die Feinstabstimmungen sprechen könnte. Kann man natürlich unmöglich. Weder mit den Betroffenen noch mit dem erweiterten Umfeld.
Burkhalter kann mit überhaupt niemandem darüber sprechen, ausser mit Madeleine, seiner Frau. Sie kann er mit einer Flasche Champagner überraschen und eine psychologische Feinstbeförderung feiern. Wie die vom Herbst 2000, als Ganter ihn in die Erweiterungsbau-Task-Force setzte. Das äusserte sich materiell in nichts als ein paar zusätzlichen Überstunden, aber es schuf noch ein bisschen mehr Distanz zu Eisener, den er bereits ein Jahr zuvor hinter sich zurückliess, als Heilmann ihm beim Weihnachtsessen das Du anbot (es am nächsten Tag allerdings «aus rein strukturpsychologischen Gründen» wieder zurücknahm). Damals feierte er mit Madeleine die inoffizielle Beförderung vom Middle Top Middle zum Upper Top Middle.
Aber diesmal ist wieder eine offizielle fällig. Er wird den Bereich des Middle Managements hinter sich zurücklassen und in die Sphären des Top Managements eintreten. Wenn auch wahrscheinlich anfänglich erst ins Lower Top.
Es kann sich nur noch um Tage handeln, wenn er Ganters Signale richtig deutet.
Lesen Sie in der nächsten Weltwoche Höhere Gewalt (2): Ganters Signale













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