Unterwerfung der Welt

«Europas Zivilisation ist in Todesgefahr»

Er wettert gegen «islamisch korrekte» Toleranz. Für Alexandre del Valle haben die Islamisten nur ein Ziel: die Unterwerfung der Welt. Dagegen muss Europa sich wehren

Von Rudolf Bächtold und Claudia Egger

Weltwoche: Monsieur del Valle, Sie sind einer der wenigen Islam-Experten, welche die Existenz eines moderaten Islams verneinen. Woher diese Einschätzung?

Alexandre del Valle: Mohammed war kein Jesus, der am Kreuz gestorben ist, sondern ein Clanchef und Kriegsführer, der Kinder und Frauen raubte. Er hat den Dschihad ausgerufen gegen Juden und Christen. Der Islam hat sich durch den Krieg ausgebreitet. Auch heute noch werden in Ländern wie dem Sudan, Nigeria, der Golfregion oder Indonesien Menschen getötet, nur weil sie nicht Muslime sind. Der Dschihad ist aktuell.

Dschihad heisst: Kampf gegen alle, die sich der Ausbreitung des Islams widersetzen.



Sind alle Muslime gefährlich?

Nein, aber alle Muslime sind potenziell gefährlich, sofern es keine Reform des Islams gibt. Der Westen verhält sich selbstmörderisch und lässt die Islamisten ungestraft ihre Propaganda verbreiten, zum Beispiel in der Schweiz, in England oder Italien. Islamisten werden als Vertreter des Islams anerkannt, was dazu führt, dass sich der Islam weiter radikalisiert. Muslime folgen ganz einfach jenem Islam, der ihnen präsentiert wird. Deshalb muss der Islam von gemässigten, reformistischen Instanzen vertreten werden. Der Westen anerkennt stattdessen fundamentalistische Organisationen, die von Saudi-Arabien finanziert, und deren Anhänger in Pakistan ausgebildet werden.



Kann der Islam reformiert werden?

Eine weltweite Reform des Islams ist momentan unmöglich. Die Staaten Europas sollten aber auf ihrem Gebiet dem Islam Reformen aufzwingen, so wie sie es mit der katholischen Kirche gemacht haben. Nur so wird der Islam Werte akzeptieren, die dem laizistischen Staat entsprechen.



Warum fühlen sich so viele Junge im Westen von den Islamisten angezogen?

Der Westen hat eine hedonistische, konsumorientierte und individualistische Ideologie entwickelt. Immigranten jedoch sind auf der Suche nach Wurzeln. Der Islamismus nutzt diese Nachfrage. Islamismus wird nicht nur praktiziert; man identifiziert sich mit ihm; er ist mehr politisch als religiös. Man kann ein guter Islamist und Terrorist sein, ohne je eine Moschee betreten zu haben.



Es gibt aber viele gewaltlose Muslime.
Die meisten moderaten Muslime haben die Attentate Bin Ladens verurteilt, aber gleich angeführt, dass die Amerikaner sie verdient hätten. Die antiwestlichen Gefühle auch gemässigter Muslime dürfen nicht unterschätzt werden. Muslime fühlen sich gedemütigt, weil sich ihre Zivilisation seit langem nicht mehr entwickelt, während der Westen fortschreitet.



Welches sind die gefährlichsten Staaten?

Vor allem die angeblichen Freunde des Westens, etwa Saudi-Arabien und Kuwait. Sie finanzieren weltweit islamistische Gruppierungen. Bin Ladens Geld kommt aus Saudi-Arabien. Pakistan wurde als muslimisch-militaristischer Staat gegründet und besitzt die Atombombe. Viele Ägypter sind mit islamistischen Gruppen verbunden: Ägypten ist die Basis der Muslimbrüder. Libyen ist zwar terroristisch, aber nicht islamistisch. Gaddafi anerkennt den Koran, aber nicht das islamische Recht; er wird von Islamisten als Ungläubiger angesehen. Indonesien mit der grössten muslimischen Bevölkerung ist ebenfalls gefährlich.



Was ist mit der Türkei?

Europa ist tot, sobald die Türkei der EU beitritt. Die Türkei ist Welten entfernt von den Zeiten des Staatsgründers Atatürk, der dem Land den Laizismus verordnete. Heute sitzen Islamisten überall, auch in der Armee.



Laut demografischen Hochrechnungen wird der Islam 2050 in Frankreich die am weitesten verbreitete Religion sein.

Die europäische Zivilisation ist in Todesgefahr. Das ist nicht rechtsextreme Propaganda, sondern eine Warnung der Demografen. Die Europäer haben keine Kinder mehr. Trotzdem lässt Europa Millionen von Immigranten herein. Die jüngere Bevölkerung in mehreren französischen Städten ist bereits mehrheitlich muslimisch.



Können Muslime keine Europäer sein?

Wenn wir die loyalen Muslime integriert hätten, hätten wir keine Probleme. Aber wir präsentieren den Islamisten auf einem Silbertablett die Möglichkeit, ihren Drang nach Eroberung auszuleben. Wir sind die besten Alliierten der fundamentalistischen Gruppierungen. Die Islamisten wollen nicht integriert werden; sie wollen die Welt islamisieren. Sie benutzen das Argument des Rassismus, um Opfergefühle zu schüren und so Muslime zu radikalisieren. Bernard Lewis, der bekannte Islamwissenschaftler, schreibt, nach der arabischen und der türkischen erlebten wir nun die europäische Phase der Islamisierung.



Muslime regierten Spanien während Jahrhunderten, standen vor Wien und in Frankreich. Sind wir in einer ähnlichen Epoche?

Die Islamisten erreichen ohne Waffen das, was Araber und Türken nicht geschafft haben. Viele Muslime sehen das als Rache für die westliche Kolonisierung. Weil Europa liberal ist, dürfen sie hier gewalttätig werden. Den Feinden der Freiheit muss die Ausnutzung der Freiheit verboten werden.



Regierungen islamischer Länder können sich kaum noch gegen die Islamisten wehren. Werden diese Regime fallen?

In Ländern wie Ägypten, Algerien, Tunesien, der Türkei und Indonesien ist diese Entwicklung leider nicht auszuschliessen. Die Bevölkerung islamisiert sich, und die Regierungen machen mehr und mehr Konzessionen gegenüber den Islamisten, um sie ruhig zu halten. Die Islamisierung ist ein generelles Phänomen in allen islamischen Staaten ausser dem Iran.



Waren Diktatoren wie Nasser, Assad, Gaddafi, Bourghiba oder König Hassan II. Bastionen gegen den Islamismus?

Die Islamisten präsentieren sich als nichtwestliche, nichtchristliche, nicht-marxistische, dafür aber demokratische Alternative. Deshalb muss
Europa gefährdete Regierungen im Kampf gegen die Islamisten unterstützen, selbst wenn das, wie in Algerien, auf undemokratische Weise geschieht.



Ihre Ansicht widerspricht dem politisch korrekten Konsens. Finden Sie seit dem 11. September mehr Zustimmung?

Die Medien sind grösstenteils politisch korrekt; sie empfanden meine Meinung als störend. Die aktuellen Ereignisse erlauben jetzt zu sagen, was vorher verboten war.



Fürchten Sie weitere Attentate?

Die Allianz mit den Amerikanern ist gefährlich. Die Ersten, welche Attentate riskieren, sind die Briten, die Italiener und die Franzosen. In diesen Ländern leben zudem je mindestens hundert Islamisten, welche zu Terroranschlägen fähig wären.

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