Marianne Fehr

Die Wüste lebt

Von Marianne Fehr

Die Stadt New York rühmt sich ihrer neuen, umweltverträglichen Methode, die ausrangierten U-Bahn-Züge zu entsorgen: Man schmeisst sie in den Atlantik. Bereits 27 Wagen wurden im Meer versenkt. Die Werber für öffentliche Verkehrsmittel sollten die Kampagne ihrer Zürcher Kollegen übernehmen. Während auf den Trams in Zürich die Lüge steht: «Ich bin auch ein Schiff», würde es sich um die Wahrheit handeln, wenn auf den New Yorker U-Bahnen stünde: «Ich bin auch ein U-Boot.»



Auf dem Meeresgrund weilt der britische Segler Stuart Hill noch nicht, aber viel hätte nicht gefehlt. Vor kurzem war er zehn Tage lang in der Nordsee verschollen. Wenig später kenterte sein Boot, und er konnte in letzter Minute geborgen werden. Wieder auf festem Boden, wurde ihm seitens der Ehefrau mitgeteilt, sie lasse sich scheiden und habe das gemeinsame Haus bereits verkauft. Zudem war die Internetfirma Pleite gegangen, bei der Stuart arbeitete. Bei so viel geballtem Pech kann eigentlich kaum mehr neues Unheil passieren. Schlecht möglich ist zum Beispiel, dass der Unglücksrabe seine Memoiren schreibt und diese dann versehentlich im Kaminfeuer landen: Einen Kamin hat er nämlich nicht mehr.



Spaghetti-Sugo-Töpfe haben die Italiener zwar zuhauf, aber was nützen sie ihnen, wenn sie leer bleiben? Wegen der Dürreperioden im Süden des Landes fällt die Tomatenernte so spärlich aus, dass mit einem drastischen Sugo-Hauptbestandteil-Engpass zu rechnen ist. Wären die Tomaten wegen Pilzbefalls eingegangen, könnten die Italiener wenigstens auf Spaghetti ai funghi ausweichen.



Eine neue Delikatesse in der vietnamesischen Küche ist der Skorpion. Er löst Grille, Termite, Grashüpfer und Heuschrecke als bevorzugte Speisen der Gourmets ab. Damit scheint sich ein Trend zum stachligen Essen anzubahnen: Vietnamesische Igel, Stachelschweine und Pudel mit Punkfrisuren tun gut daran, den Coiffeur zu wechseln oder eine Auswanderung in die Wege zu leiten.



Nur für kurze Zeit ausser Landes weilte Bill Clinton. Er wurde dabei beobachtet, wie er in Rio de Janeiro a) seine Zehen kurz ins Meerwasser tauchte, b) einigen Strassenkindern zuwinkte und c) zwei Bikinis für insgesamt hundert Dollar kaufte. Für wen sind bloss die Badegewänder bestimmt?, fragte sich die internationale Presse und kam nicht auf die nächstliegende Idee: das eine, um beim Fussbad die Zehen zu verhüllen und attraktiver zu gestalten; das andere, um mit einem bunten Gegenstand effektvoller winken zu können.



Noch verhaltensauffälliger ist der amerikanische Ex-Basketball-Star Dennis Rodman. In einem Restaurant schäumte er Personal und Gäste mit einem Feuerlöscher ein. Die Interpretation eines Pressesprechers: «Es sieht so aus, als habe jemand etwas gesagt, das er nicht mochte.» Ob der ruppige Sportler nicht gezielter vorgegangen wäre, wenn er dem Redner mit einem Basketball den Mund gestopft hätte? Um zu gewinnen, sprüht man während eines Basketballspiels ja schliesslich auch nicht alle Gegenspieler mit DDT voll.

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