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Bundesrätin Leuthard träumt den Himmel grün, und Kolumnist Thiel gibt ein Freudsches Versprechen nach dem anderen ab.
Thiel: Frau Leuthard, was macht man denn so als Euphemieministerin?
Leuthard: Sie meinen als Energieministerin?
Thiel: Ja, natürlich. Was haben Sie denn verstanden?
Leuthard: Ich habe «Euphemieministerin» verstanden.
Thiel: Das haben Sie aber schön gesagt.
Leuthard: Sie haben das gesagt.
Thiel: Ach, dann war es wohl ein freudscher Versprecher.
Leuthard: Das haben Sie aber schön gesagt.
Thiel: Frau Freudhard, wem dienen Sie als Energieministrantin?
Leuthard: Es heisst Energieministerin.
Thiel: Mein Gott, ist das ein schwieriges Wort, und es steht auch noch am Anfang.
Leuthard: Bitte keine biblischen Vergleiche, ich bin bei der CVP.
Thiel: Ich will sagen, es ist schwierig, mit Ihnen was anzufangen.
Leuthard: Das haben Sie aber schön gesagt.
Thiel: Sie haben ja auch eine Traumkarriere hinter sich.
Leuthard: Wie meinen Sie das?
Thiel: Haben Sie sich denn nicht hochgeträumt?
Leuthard: Was wollen Sie damit sagen?
Thiel:
Sie haben doch hier als Empfangsdame angefangen.
Leuthard: Wie kommen Sie darauf?
Thiel: Ich habe gelesen, bevor sie in den Bundesrat kamen, hätten Sie hier in der Lobby gearbeitet.
Leuthard: Ich habe hier im Parlament lobbyiert.
Thiel: Das haben Sie aber schön gesagt. Sie haben also im Parlament für die Kernkraft lobbyiert?
Leuthard: Das war die Frucht meiner Arbeit.
Thiel: Aber im Bundesrat hat sich der Kern gespalten.
Leuthard: Nur das Fleisch ist noch das gleiche.
Thiel: Sie haben also das Goldene Kalb geschlachtet.
Leuthard: Bitte keine biblischen Vergleiche, ich bin bei der CVP.
Thiel: Ich will sagen, der Gletscher hat gekalbt.
Leuthard: Was meinen Sie damit?
Thiel: Der Bundesrat hat gekalbert.
Leuthard: Das haben Sie aber schön gesagt.
Thiel: Was hat Sie zu dieser Kalberei bewogen?
Leuthard: Ich wurde geläutert.
Thiel: Frau Läuterhard, wann sind Sie vom Saulus zum Paulus geworden?
Leuthard: Bitte keine biblischen Vergleiche, ich bin bei der CVP.
Thiel: Ich will sagen, vom Bock zum Gärtner.
Leuthard: Was meinen Sie damit?
Thiel: Der Gärtner grast auf der grünen Wiese.
Leuthard: Das haben Sie aber schön gesagt.
Thiel: Nicht wahr? Die Regierung hat eine Vision. Die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus. Vorsichtshalber stellt die Regierung alles, was nicht der Vision entspricht, unter Strafe. Je weiter nun die Realität von der Vision abweicht, desto mehr Bussen kann die Regierung verteilen. Sie nimmt durch die Bestrafung der Bürger ganz viel Geld ein, was sie dazu veranlasst, die Vision als grossen Erfolg zu feiern.
Leuthard: Sie sind gemein. Dabei haben es andere Regierungen viel leichter als wir. Die können bestimmen, was das Volk tun soll, und es auch noch im Ungewissen darüber lassen, wo das hinführt. Die Schweizer Regierung hingegen wird oft vom Volk im Ungewissen darüber gelassen, wie dieses abstimmen wird.
Thiel: Das haben Sie aber schön gesagt.
Leuthard: Können Sie mir sagen, warum die Schweiz so ist, wie sie ist?
Thiel: Aber sicher. Beginnen wir mit der Deutschschweiz. Wenn man aus der Deutschschweiz den Kern rausschält, d. h. die vier ersten und die vier letzten Buchstaben weglässt, dann bleibt «schsch». Und wenn man von diesem weichen Deutschschweizer «Schsch» auch noch das scharfe deutsche «ss» weglässt, dann bleibt «chch», wobei uns das hier jetzt auch nicht weiterbringt.
Leuthard: Wie meinen Sie das?
Thiel: Mit dem Humor ist es wie mit dem Sherry, trocken schmeckt er am besten.
Leuthard: Chchchch . . .
Thiel: Schschsch . . .
Andreas Thiel, Jahrgang 1971, ist Schriftsteller und Kabarettist.
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